Diese Kavaliere, die zu Wächtern der Freude angestellt waren, glichen jetzt den frierenden Winterfliegen, die in das Dunkel und den Schutz des Ofens kriechen. Es war kalt und einsam um sie her geworden. Gestern war Hauptmann Lennart gestorben, von seinem Sterbebett war Gösta Berling in die Wälder und in die Wildnis hinausgeflüchtet, wie es seine Gewohnheit war, wenn sein Gewissen eine neue, schmerzende Wunde erhalten hatte. Sie wußten, daß er lange fortbleiben würde, vielleicht Wochen, bis die Zeit sein Elend geheilt hatte. Ihre junge Gräfin hielt sich eingeschlossen und wollte niemand von ihnen sehen.
Die Rosen waren verwelkt, die Blätter waren abgefallen, das Gras war gelb geworden. Und die Kavaliere fingen an zu glauben, daß das Leben selber ausgeblüht habe. Örneclou sah plötzlich, daß er alt und häßlich war, Onkel Eberhard hatte sein großes wissenschaftliches Werk abgeschlossen, Patron Julius’ Gewissen wollte nicht schlafen, Liliencrona sehnte sich nach Hause.
Und sie fragten sich selber, womit sie es verschuldet hatten, daß der Wein seinen Geschmack verloren, daß das Kartenspiel ihnen keine Freude mehr machte, daß die Musik sie nicht mehr belebte. Weshalb war die Macht der Freude von ihnen gewichen? Welch Verbrechen hatten sie begangen, die armen, elenden Kavaliere?
Da öffnete sich die Tür, und die Tochter des Pfarrers von Broby trat zu den versammelten Kavalieren ein. Sie war eine energische kleine Person, die das ganze Jahr
hindurch gegen die liederliche Wirtschaft und die Verschwendung angekämpft hatte. Es war etwas so Strenges, Pflichtgetreues an ihr, daß die Kavaliere stets einen gewissen Respekt vor ihr gehabt hatten, obwohl sie kaum die Kinderschuhe ausgezogen hatte.
»Heute bin ich wieder zu Hause gewesen und habe nach dem Geld meines Vaters gesucht«, sagte sie zu den Kavalieren. »Aber ich habe nichts gefunden. Alle Schuldbeweise sind ausgestrichen, und Schubfächer und Schränke stehen leer.«
»Das ist traurig für Sie, Jungfer«, sagte Beerencreutz.
»Als die Majorin aus Ekeby fortzog,« fuhr die Tochter des Pfarrers von Broby fort, »bat sie mich, acht auf ihr Haus zu geben. Und falls ich nun das Geld meines Vaters gefunden hätte, würde ich es dazu verwendet haben, Ekeby wieder instand zu setzen. Da ich aber nichts anderes fand, nahm ich einige von den Stöcken und Zweigen von meines Vaters Schandhügel mit, denn es harrt meiner große Schande, wenn meine Herrin heimkehrt und mich fragt, was aus Ekeby geworden ist.«
»Nehmen Sie sich doch eine Sache nicht so zu Herzen, an der Sie keine Schuld haben, Jungfer«, entgegnete Beerencreutz.
»Aber ich habe nicht allein für mich Stöcke vom Schandhügel genommen«, sagte das junge Mädchen. »Ich nahm auch einige für die guten Herren mit. Bitte recht sehr, meine Herren! Mein Vater ist nicht der einzige gewesen, der Schmach und Schande in diese Welt gebracht hat.«