Und Gösta sah, daß der Gefängniswagen an der Kirchhofsmauer hielt und auf Sintram wartete.

»Ich wollte hierher und mich bei der Frau Hauptmann bedanken, daß sie gestern in alten Papieren nachsuchte, um Beweise gegen mich in der bewußten Pulvergeschichte zu finden, und mir dann die Obrigkeit auf den Hals sandte, gerade als ich mich anschickte, zum Begräbnis dieses guten Mannes zu gehen. Aber ich will den Sarg nicht anrühren, ich kann etwas tun, was noch weit besser ist. – Hör einmal! Ihr seid wohl jetzt wahre Engel Gottes da oben in Ekeby? Wenn die Tochter des Brobyer Pfarrers ihr Erbe bekommt, wollt ihr und sie dann alles unter die Armen austeilen?«

»Sie will es benutzen, um Ekeby wieder aufzurichten und den Armen zu helfen; das hat sie oft gesagt.«

Sintram lachte vor sich hin. »Du wüßtest wohl für dein Leben gern, wo das Geld steckt, Gösta?«

»Ja, das wüßte ich gern.«

»Willst du mir versprechen, geradeswegs von hier zu der Stelle im Walde zu gehen, wo das Mädchen aus Nygaard sich zu Tode fiel, und dich dort herabstürzen, so will ich dir sagen, wo das Geld ist. Es wäre so schön, wenn du da sterben könntest; dann würden alle sagen, daß deine schrecklichen Gewissensqualen dich in den Tod getrieben hätten.«

»Ich habe gelobt, mir das Leben nicht zu nehmen, so lange Anna Lisa im Dienst der Majorin steht.«

»Gilt nicht!« erwiderte Sintram. »Wenn du ihr das Geld verschaffst, dient sie ja nicht mehr.«

Aber bei Gösta Berling schien nun all das alte und all das neue Sehnen sich zu dem einen zu vereinigen – sterben zu dürfen. Es war niemals zur Klarheit gekommen zwischen ihm und ihr, die er seine Gattin nannte.

Er war glücklich gewesen, daß er ihr dienen durfte wie die anderen Kavaliere, wie es aber werden sollte, wenn ihre Zeit auf Ekeby um war, das wußte er nicht. Er wußte nicht einmal, ob sie zu ihren Eltern zurückkehren oder bei ihm bleiben würde. Eins aber stand fest: er konnte ihr keinen größeren Dienst erweisen, als indem er ihr ihre Freiheit wiedergab, und dazu hatte er jetzt die beste Gelegenheit. Jetzt konnte er alle seine Gewissensqualen loswerden; jetzt konnte er die Wünsche seiner besten Momente erfüllen, er konnte Gott und den Menschen dienen; das alles und weit mehr lag in diesem schönen, herrlichen: sterben zu dürfen.