Da fuhr er auf und war nahe daran, sie zu schlagen, und so ging es jedesmal, wenn sie den Krieg erwähnte. Er wurde wie wahnsinnig vor Zorn. Er duldete es nicht, daß jemand das Wort Krieg aussprach, das wurde bald bekannt; da nahmen sich denn die Leute vor diesem Thema in acht.
Aber keiner seiner Kriegskameraden konnte sagen, daß er mehr Böses getan hatte als andere. Er hatte wie ein guter Soldat gekämpft. Nur all das Entsetzliche, das er gesehen, hatte es ihm so angetan, daß er fortan nur
noch das Schlechte sehen konnte. Es war ihm, als wenn die ganze Natur ihn hasse, weil er an dergleichen teilgenommen hatte. Diejenigen, die es besser wissen, können sich damit trösten, daß sie für das Vaterland und die Ehre kämpfen. Was wußte er davon? Er wußte nur, daß alles ihn haßte, weil er Blut vergossen und Gewalt geübt hatte.
Zu jener Zeit, als die Majorin aus Ekeby vertrieben wurde, wohnte er allein in seiner Hütte. Seine Frau war gestorben, und seine Söhne waren fortgezogen. Aber zur Marktzeit war die Hütte doch voller Gäste. Die dunkelhäutigen Zigeuner kehrten dort ein, sie gedeihen am besten bei dem, den die Menschen scheuen. Kleine, langhaarige Pferde kamen dann den Waldweg hinaufgeklettert, die Wagen voll von verzinnten Gerätschaften, Kindern und Lumpen. Früh gealterte Frauen mit vom Trunk und vom Tabakrauchen angeschwollenen Gesichtern und Männer mit bleichen, scharfen Zügen und sehnenstarken Gliedern folgten den Wagen. Wenn sie an der Waldhütte anlangten, wurde die Stimmung heiter, Branntwein und Karten und Spektakel führten sie mit sich, sie erzählten von Diebstählen, Pferdetausch und blutigen Schlägereien.
Es war an einem Freitag, als der Brobyer Markt begann und Hauptmann Lennart getötet wurde. Der starke Måns, der Mörder, war der Sohn des Alten in der Waldhütte. Als deswegen die Zigeuner am Sonntagnachmittag da oben zusammensaßen, reichten sie dem alten Jan Hök die Branntweinflasche häufiger als sonst und sprachen mit ihm von Gefängnisleben und Gefangenenkost und Verhören, denn das kannten sie.
Der Alte saß auf dem Haublock in der Ofenecke und sprach nicht viel. Seine großen, glanzlosen Augen starrten über die wilde Schar hin, die die Stube füllte. Die Dämmerung war hereingebrochen, aber das flackernde Fichtenholz erleuchtete den Raum. Es beschien Lumpen und Elend und Not.
Die Tür öffnete sich leise und zwei Frauen traten ein. Es war die junge Gräfin Elisabeth, gefolgt von der Tochter des Pfarrers von Broby. Sonderbar wollte es dem Alten erscheinen, als sie, liebenswert und strahlend in ihrer milden Schönheit, in den Lichtkreis des Feuers trat. Sie erzählte ihnen, daß Gösta Berling sich seit Hauptmann Lennarts Tod nicht auf Ekeby hatte sehen lassen. Sie und ihr Mädchen hätten den ganzen Nachmittag den Wald durchsucht. Jetzt sähe sie, daß hier Männer seien, die weit umhergewandert waren und alle Wege kannten. Hatte niemand von ihnen Gösta bemerkt? Sie sei hereingekommen, um zu fragen, ob ihn jemand gesehen habe.
Vergebliche Frage. Niemand hatte ihn gesehen.
Sie rückten ihr einen Stuhl ans Feuer, sie sank darauf nieder und saß eine Weile schweigend da. Der Lärm im Zimmer war verstummt; alle sahen sie an und wunderten sich über sie. Dann ward ihr das Schweigen unheimlich, sie fuhr zusammen und suchte nach einem gleichgültigen Gesprächsstoff.
»Wenn ich mich nicht irre, bist du Soldat gewesen?« wandte sie sich an den Alten. »Erzähle uns doch etwas vom Kriege!«