Das Schweigen wurde nur noch unheimlicher. Der Alte saß da, als habe er nichts gehört.

»Ich möchte gern etwas vom Kriege hören, von einem, der mit dabeigewesen ist«, sagte die Gräfin. Aber sie hielt plötzlich inne, denn ihre Begleiterin machte ihr ein Zeichen mit dem Kopf. Sie mußte etwas Unpassendes gesagt haben; alle da drinnen starrten sie an, als habe sie gegen die ersten Anstandsregeln verstoßen. Plötzlich begann eine der Frauen mit scharfer Stimme: »Ist das nicht die ehemalige Gräfin auf Borg?«

Ja, die sei sie.

»Die sollte doch auch was Besseres tun, als dem tollen Pfarrer im Walde nachzulaufen. Pfui!«

Die Gräfin erhob sich und sagte Adieu, sie habe jetzt genügend geruht. Die Frau, die vorhin gesprochen hatte, begleitete sie hinaus.

»Ich wollte der Frau Gräfin nur sagen, daß ich meine Äußerung von vorhin gar nicht so gemeint habe. Ich mußte nur etwas sagen, denn der Alte wird wie rasend, wenn er von Krieg reden hört. Ich meinte es ja nicht böse.«

Die Gräfin eilte weiter, aber sie stand bald wieder still. Sie sah den drohenden Wald, den schattenwerfenden Berg, den dampfenden Sumpf. Es mußte unheimlich sein hier zu wohnen, wenn der Sinn mit bösen Erinnerungen angefüllt war. Sie hatte Mitleid mit dem Alten, der da drinnen saß, die dunklen Zigeuner als einzige Gesellschaft.

»Anna Lisa,« sagte sie, »laß uns umkehren! Sie waren gut gegen uns dort in der Hütte, ich aber habe mich nicht gut aufgeführt. Ich will mit dem Alten über freundlichere Dinge reden.« Und glücklich, jemand gefunden zu haben, den sie trösten konnte, begab sie sich wieder in die Hütte zurück.

»Ich fürchte,« sagte sie, »daß Gösta Berling hier im Walde umhergeht mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Deswegen ist es wichtig, daß man ihn bald findet und ihn daran verhindert. Anna Lisa und ich haben oft gemeint ihn zu sehen; aber er ist uns immer wieder entschwunden. Er hält sich gewiß in der Nähe des Berges auf, wo das Mädchen von Nygaard ums Leben kam. Da fiel es mir eben ein, daß ich wohl nicht ganz bis Ekeby zurückzugehen brauche, um Hilfe zu holen. Hier sind so viele starke Männer, daß sie Gösta Berling sicher fangen können!«

»Auf, ihr Männer!« rief die Frau aus. »Wenn die Frau Gräfin sich nicht für zu gut hält, unsere Leute um einen Gefallen zu bitten, so sollt ihr gleich gehen!«