und auf den sieben Eisenwerken der Majorin war die Tätigkeit in vollem Gange. Niemals hatte sie sich wohler gefühlt, als während sie hier saß und die kalte Luft in ihre schmerzende Brust strömen ließ. Sie konnte an keinem Gehöft vorüberkommen, ohne stillzuhalten und zu fragen.
»Jetzt ist alles gut!« lautete die Antwort. »Hier herrschte große Not, aber die Herren von Ekeby helfen uns. Die Frau Majorin wird sich wundern, was dort alles ausgeführt ist. Das Mühlwerk ist bald fertig, und die Schmiede ist in vollem Gange.«
Die Not und die herzerschütternden Begebenheiten hatten sie alle verwandelt. Ach, es würde nicht lange vorhalten! Aber es war doch gut, in ein Land zurückzukehren, wo der eine dem andern half und alle das Gute wollten. Die Majorin fühlte, daß sie den Kavalieren verzeihen könne, und sie dankte Gott dafür. »Anna Lisa,« sagte sie, »ich alte Person sitze hier und glaube, daß ich mich schon auf dem Wege zum Himmel der Seligen befinde.«
Als sie endlich Ekeby erreichte und die Kavaliere herauseilten, um ihr vom Schlitten zu helfen, konnten sie sie kaum wiedererkennen, denn sie war ebenso milde und freundlich wie ihre eigene junge Gräfin. Die älteren, die sie gekannt hatten, als sie noch jung war, flüsterten einander zu: »Das ist nicht die Majorin von Ekeby – das ist Margarete Celsing, die wiederkehrt.«
Die Freude der Kavaliere, als sie sie so milde, so ohne alle Rachegedanken wiederkommen sahen, war groß, sie verwandelte sich aber in Kummer, als sie sahen, wie krank sie war. Sie mußte sofort ins Schlafzimmer getragen
und ins Bett gelegt werden. Auf der Schwelle aber wandte sie sich um und sagte zu ihnen: »Gottes Sturmwind ist über das Land gegangen, Gottes Sturmwind! Jetzt weiß ich, daß alles zum Besten gewesen ist.« Dann schloß sich die Tür ihres Krankenzimmers, und sie bekamen sie nicht mehr zu sehen.
Wenn jemand sterben soll, so hat man ihm stets so viel zu sagen. Die Worte drängen sich über die Lippen, wenn man weiß, daß im Zimmer nebenan jemand liegt, dessen Ohr sich bald für immer schließen soll. »Ach, mein Freund, mein Freund,« würde man gern sagen, »kannst du vergeben? Kannst du trotz allem glauben, daß ich dich geliebt habe? Wie konnte ich dir doch so viel Kummer bereiten, während wir hier beisammen wanderten? Ach, mein Freund, hab Dank für all die Freude, die du mir geschenkt hast!« Solche Worte möchte man sprechen und noch weit mehr.
Die Majorin aber lag in brennendem Fieber, und die Stimmen der Kavaliere konnten sie nicht erreichen. Sollte sie denn nie mehr erfahren, wie sie gearbeitet hatten, wie sie ihr Werk wieder aufgenommen und die Ehre von Ekeby gerettet hatten? Sollte sie das niemals erfahren?
Bald darauf gingen die Kavaliere zur Schmiede hinab. Dort wurde nicht gearbeitet. Sie aber warfen frische Kohlen und neues Roheisen in den Ofen und bereiteten alles zum Schmelzen vor. Sie riefen nicht die Schmiede, die nach Hause gegangen waren, um Weihnachten zu feiern, sondern arbeiteten selber. Konnte die Majorin nur leben, bis der Hammer in Tätigkeit kam, da sollte der schon ihre Sache bei ihr reden!
Es ward Abend, und die Nacht brach herein über