Das ganze Haus schlief. Da stand Gösta Berling auf, kleidete sich an und schlich hinaus. Unbemerkt zog er Don Juan aus dem Stall, spannte ihn vor den Schlitten und wollte sich davonmachen. Da kam Anna Stjärnhök aus dem Hause.
»Ich hörte dich fortgehen«, sagte sie. »Da stand ich auf. Ich bin bereit, mit dir zu fahren.«
Er trat an sie heran und ergriff ihre Hand.
»Verstehst du es denn noch nicht? Es kann nicht sein! Gott will es nicht! Hör mich an und versuche, mich zu verstehen! Ich war heute mittag hier und sah, wie sie über deine Treulosigkeit jammerten. Da fuhr ich nach
Borg, um dich zu Ferdinand zurückzuführen. Aber ich bin stets ein erbärmlicher Wicht gewesen und werde nie mehr etwas anderes. Ich verriet ihn und behielt dich für mich. Hier ist eine alte Frau, die glaubt, daß noch einmal ein Mann aus mir werden kann. An ihr habe ich ehrlos gehandelt. Und eine andere arme Alte will hier frieren und hungern, nur um zwischen Freunden sterben zu können, ich aber war kurz davor, sie vom bösen Sintram heimführen zu lassen. Du warst schön, und die Sünde war süß. Gösta Berling ist so leicht zu verlocken.
»Ach, was für ein armseliger Schuft bin ich doch! Ich weiß, wie sehr die da drinnen ihr Heim lieben, und doch war ich kurz davor, es der Plünderung preiszugeben. Ich vergaß alles um deinetwillen. Du warst so entzückend in deiner Liebe. Aber jetzt, Anna, jetzt, wo ich Zeuge ihrer Freude gewesen bin, will ich dich nicht behalten. O, du meine Geliebte! Der dort oben spielt mit unserm Willen. Jetzt ist es Zeit, daß wir uns unter seine züchtigende Hand beugen. Sag mir, daß du von heute an deine Last auf dich nehmen willst! Alle da drinnen verlassen sich auf dich. Sag, daß du bei ihnen bleiben und ihnen eine Stütze, eine Hilfe sein willst! Wenn du mich liebst, wenn du meinen bittern Kummer erleichtern willst, so versprich mir dies! Meine Geliebte, ist dein Herz so groß, daß es sich selbst überwinden und dabei lächeln kann?«
Sie nahm voller Begeisterung das Gebot des Entsagens hin.
»Ich will tun, wie du willst – mich opfern und dazu lächeln.«
Sie lächelte wehmütig.
»Solange ich dich liebe, werde ich die da drinnen lieben.«