Sie wandten um, aber im nächsten Augenblick war der Schlitten von Wölfen umringt. Graue Gestalten glitten an ihnen vorüber, die weißen Zähne schimmerten in den weit aufgerissenen Rachen, die funkelnden Augen leuchteten. Sie heulten vor Hunger und Blutdurst. Die schimmernden Zähne waren bereit, sich in das weiche Menschenfleisch zu hauen. Die Wölfe sprangen an Don Juan in die Höhe und hängten sich in dem Geschirr fest. Anna dachte darüber nach, ob die Bestien sie mit Haut und Haar verzehren oder ob sie wohl ein wenig von ihnen übriglassen würden, und ob wohl die Leute am nächsten Morgen zernagte Gebeine in dem niedergetretenen, blutigen Schnee finden würden.
»Jetzt gilt es unser Leben«, sagte sie, beugte sich herab und ergriff Tankred beim Nacken.
»Laß das, es nützt nichts! Nicht des Hundes wegen sind die Wölfe über Nacht unterwegs.«
Damit fuhr Gösta auf den Bergaer Hof ein, aber die Wölfe verfolgten ihn bis an die Treppe. Er mußte sich ihrer mit der Peitsche erwehren.
»Anna,« sagte er, als er an der Treppe hielt, »Gott wollte es nicht. Mach nun eine gute Miene dazu, wenn du das Mädchen bist, für das ich dich halte, hörst du!«
Drinnen hatten sie das Schellengeklingel gehört und kamen heraus.
»Er hat sie!« riefen sie. »Er hat sie! Gösta Berling soll leben!« Und die Gäste taumelten aus einer Umarmung in die andere.
Es wurden nicht viele Fragen gestellt. Die Nacht war weit vorgeschritten, die Reisenden waren überwältigt von ihrer gefährlichen Fahrt und bedurften der Ruhe. Es genügte ja, daß Anna da war.
Alles war gut. Nur Corinna und der grüne Reiseschal, Mamsell Ulrikas wertvolles Geschenk, waren vernichtet.