La cachucha, soll die für uns sein, Maestro? Kann die auf den schwankenden Brettern des Kavalierflügels, zwischen den engen, von Rauch geschwärzten und mit Schmutz bedeckten Wänden, unter diesem niederen Dach getanzt werden? Wehe dir, wie du spielst!

La cachucha, soll die für uns Kavaliere sein? Draußen heult der Schneesturm. Willst du die Schneeflocken lehren, im Takt zu tanzen? Spielst du den leichtfüßigen Kindern des Schneekönigs zum Tanze auf?

Frauenkörper, die unter dem Pulsschlag des heißen Blutes zittern, kleine rußige Hände, die den Kochtopf beiseite

schieben und zu den Kastagnetten greifen, nackte Füße unter hochgeschürzten Röcken, ein Hof mit Marmorfliesen, Zigeuner, die mit Sackpfeife und Tamburin am Boden kauern, maurische Bogengänge, Mondschein und schwarze Augen, hast du das, Maestro? Sonst laß deinen Bogen ruhen!

Die Kavaliere trocknen ihre nassen Kleider am Feuer. Können sie sich in hohen, eisenbeschlagenen Stiefeln mit fingerdicken Sohlen im Tanze schwingen? Den ganzen Tag sind sie durch ellenhohen Schnee gewatet, um dem Bären auf die Spur zu kommen. Glaubst du, daß sie in feuchten, dampfenden Frieskleidern tanzen mögen, mit dem zottigen Petz als Dame?

Sternenübersäter Abendhimmel, rote Rosen in dunklem Frauenhaar, berauschende Wärme in der Abendluft, angeborene Plastik in den Bewegungen, Liebe, von der Erde aufsteigend, vom Himmel herabregnend, in der Luft schwebend, hast du das, Maestro? Weshalb uns sonst dazu zwingen, uns nach alledem zu sehnen?

Du Grausamer, bläst du das Kompagniesignal für das angebundene Streitroß? Rutger von Örneclou liegt von Gichtschmerzen gefesselt in seinem Bett. Erspar ihm die Qual der schönen Erinnerungen! Auch er hat den Sombrero und das bunte Haarnetz getragen, auch er hat die Sammetjacke getragen und den Dolch im Gürtel. Schone den alten Örneclou, Maestro!

Aber Liliencrona spielt la cachucha, wieder und wieder la cachucha. Und Örneclou leidet wie der Liebende, der die Schwalbe den Weg zu der fernen Wohnung der Geliebten nehmen sieht, wie der lechzende Hirsch, der von den Verfolgern an der Quelle vorübergetrieben wird.

Liliencrona nimmt einen Augenblick die Violine unter dem Kinn fort.

»Fähnrich, entsinnst du dich der schönen Rosalie von Berger?«