»Fürchte dich nicht,« flüsterte er, »schöne Lippen haben ein Recht zu küssen.«

Sie mußten stillstehen, während der Vorhang fiel und wieder aufging und Hunderte von Augen sie jedesmal anstarrten, Hunderte von Händen ihnen stürmischen Beifall zuklatschten.

Denn es ist erhebend, zwei schöne junge Menschen eine Darstellung von dem Glück der Liebe geben zu sehen. Niemand kam auf den Gedanken, daß die Küsse etwas anderes sein könnten als Theaterblendwerk, niemand ahnte, daß die Señora vor Scham errötete, daß der Ritter vor Unruhe bebte. Sie alle glaubten, daß das mit zur Aufführung gehöre.

Endlich standen Marianne und Gösta hinter der Bühne Sie strich sich mit der Hand das Haar aus der Stirn. »Ich verstehe mich selber nicht«, sagte sie.

»Pfui Kuckuck, Fräulein Marianne,« sagte er, machte eine Grimasse und eine abwehrende Bewegung mit den Händen, »Gösta Berling zu küssen! Pfui Kuckuck!«

Marianne mußte lachen.

»Alle Welt weiß ja, daß Gösta Berling unwiderstehlich ist. Mein Vergehen ist nicht größer als das anderer.«

Und sie kamen überein, daß sie gute Miene dazu machen wollten, damit niemand Verdacht über den wahren Sachverhalt schöpfen solle.

»Kann ich mich darauf verlassen, daß die Wahrheit nie ans Licht kommt, Herr Gösta?« fragte sie, ehe sie sich unter die Zuschauer begaben.

»Darauf kann Fräulein Marianne sich verlassen. Die Kavaliere wissen zu schweigen, für die stehe ich ein.«