Sie schlug die Augen nieder, und ein eigentümliches Lächeln kräuselte ihre Lippen.
»Wenn nun die Wahrheit trotzdem ans Licht kommen sollte, was werden die Leute dann nur einmal von mir denken, Herr Gösta?«
»Sie werden nichts denken; sie werden wissen, daß die Sache nichts zu bedeuten hat. Sie werden meinen, daß wir in der Rolle gewesen sind und weiter gespielt haben.«
Noch eine Frage schlich sich unter dem gesenkten Blick, unter dem erzwungenen Lächeln hervor: »Was aber denkt Herr Gösta selber davon?«
»Ich denke, daß Fräulein Marianne in mich verliebt ist«, lachte er.
»So etwas sollte Herr Gösta nicht glauben,« erwiderte sie lächelnd, »da müßte ich Herrn Gösta mit diesem spanischen Dolch durchbohren, um ihm zu beweisen, daß er unrecht hat.«
»Teuer sind Frauenküsse«, sagte Gösta. »Kostet es das Leben, von Fräulein Marianne geküßt zu werden?«
Da traf ihn ein Blick aus Mariannens Augen, der war so scharf, daß er ihn wie einen Dolchstoß empfand.
»Ich möchte Ihn tot vor mir sehen, Gösta Berling, tot, tot!«
Diese Worte erweckten aufs neue ein altes Sehnen in der Brust des Poeten.