»Mir erging es nicht besser, als ich vor ein paar Stunden auf der Treppe auf den Knien lag«, sagte Marianne.

Und dann, lieber Leser, was sich in jener Nacht weiter zutrug, wie die alten Gefährte wieder in den Schuppen, die Pferde in den Stall und die Kavaliere in den Kavalierflügel kamen, das zu erzählen, darauf will ich mich nicht einlassen. Die Morgenröte begann sich über den Bergen im Osten zu zeigen, und der Tag brach mit Klarheit und Frieden an. Wieviel friedlicher sind nicht die hellen, sonnigen Tage als die dunklen Nächte, unter deren beschützenden Schwingen die Raubtiere jagen und die Eulen schreien.

Nur das will ich sagen, daß, als die Kavaliere wieder hineingekommen waren und in der Punschbowle noch einige Tropfen gefunden hatten, die sie in ihre Gläser füllen konnten, sie eine plötzliche Begeisterung überkam.

»Die Majorin soll leben, hurrah hoch!« riefen sie.

Sie war doch ein Weib ohnegleichen! Was konnten sie wohl Besseres verlangen, als ihr zu dienen und sie anzubeten.

War es nicht traurig, daß der Teufel Macht über sie gewonnen hatte, und daß all ihr Trachten darauf ausging, die Seelen der Kavaliere in die Hölle zu schicken!

Der große Bär auf dem Gurlita-Berge

In der Dunkelheit des Waldes wohnen friedlose Tiere, deren Kiefer mit unheimlich schimmernden Zähnen bewaffnet sind, und deren Füße scharfe Klauen tragen, die sich danach sehnen, sich in einem blutgefüllten Hals festzubeißen, und deren Augen vor Mordlust leuchten.

Da wohnen die Wölfe, die des Nachts zum Vorschein kommen und hinter dem Schlitten des Bauern herjagen, bis die Mutter das kleine Kind nehmen muß, das sie auf dem Schoße hält, und es ihnen hinwirft, um ihr eigenes und ihres Mannes Leben zu retten.

Da wohnt der Luchs, den der Bauer »Göpa« nennt; denn im Walde ist es gefährlich, ihn bei seinem rechten Namen zu nennen. Wer ihn am Tage genannt hat, muß am Abend gut nachsehen, ob die Türen und die Luken des Schafstalls versichert sind, denn sonst kommt er. Er klettert an der steilen Wand herauf, denn seine Krallen sind wie scharfe Stahlhaken, schleicht sich durch den engsten Gang und stürzt sich über die Schafe. Und der Göpa hängt sich an ihre Kehle und trinkt Blut aus der Halsader und mordet und zerreißt, bis das letzte Schaf getötet ist. Er hält nicht inne in seinem wilden Totentanz unter den eingeschüchterten Tieren, solange noch ein einziges von ihnen ein Lebenszeichen von sich gibt. Und am Morgen findet der Bauer alle Schafe tot, mit