zerrissenen Kehlen daliegen, denn der Göpa hinterläßt nichts Lebendes, wo er haust.
Da wohnt die Eule, die in der Dämmerung schreit. Schreit man dann wieder, so kommt sie auf ihren breiten Flügeln über einen herabgesaust und hackt einem die Augen aus, denn sie ist kein wirklicher Vogel, sondern ein verhexter Geist.
Und da wohnt der schrecklichste von ihnen allen, der Bär, der eine Stärke von zwölf Männern hat und der, wenn er ein »Mannbär« geworden ist, nur mit einer silbernen Kugel getötet werden kann. Kann wohl irgend etwas ein Tier in dem Maße mit dem Nimbus des Schreckens umgeben, wie dies, daß er nur mit einer silbernen Kugel getötet werden kann? Was für furchtbare verborgene Kräfte wohnen in ihm und machen ihn so hart, daß gewöhnliches Blei nichts ausrichtet? Müssen nicht die Kinder viele Stunden wach liegen und sich vor diesem grauenhaften Tier ängstigen, das die bösen Mächte beschützen?
Und sollte man einmal dem Mannbären im Walde begegnen, groß und hoch wie ein wandernder Held, da soll man nicht laufen und sich auch nicht verteidigen, sondern sich glatt an die Erde werfen und so tun, als sei man tot. Viele kleine Kinder haben in Gedanken an der Erde gelegen und den Bären über sich gehabt. Er hat sie aber mit seiner Tatze herumgerollt, und sie haben seinen heißen, fauchenden Atem in ihrem Gesicht gefühlt; aber sie haben still gelegen, bis er weggegangen ist, um ein Loch zu graben und sie darin zu verbergen. Da sind sie leise aufgestanden und haben sich weggeschlichen, zuerst ganz sachte, dann aber in atemloser Hast.
Aber denkt, denkt doch, wenn der Bär nun meinen sollte, daß sie nicht richtig tot waren, wenn er versuchte, in sie hineinzubeißen, oder wenn er sehr hungrig wäre, oder wenn er sähe, daß sie sich rührten, und hinter ihnen drein liefe! Ach Gott!
Das Grauen ist eine Hexe, die in der Dunkelheit des Waldes sitzt und das Ohr der Menschen mit Zauberliedern erfüllt und ihre Herzen mit unheimlichen Gedanken. Daher kommt die lähmende Furcht, die das Leben bedrückt und die Schönheit lächelnder Gefilde verfinstert. Die Natur ist böse und grausam, hinterlistig wie eine schlafende Schlange, nichts kann man glauben. Da liegt der Löfsee in prahlender Schöne, trau ihm aber nicht, er lauert auf Beute: jedes Jahr fordert er seinen Zoll an Ertrunkenen! Da liegt der Wald friedlich lockend, trau ihm aber nicht! Der Wald ist voll von friedlosen Tieren, die von den Seelen böser Hexen und mordlustiger Räuber besessen sind.
Trau nicht dem Bach mit seinem rieselnden Wasser! Es bringt Krankheit und Tod, wenn man nach Sonnenuntergang in ihm watet. Trau nicht dem Kuckuck! Gar lustig ruft er im Frühling. Wenn der Sommer vorüber ist, wird er zum Habicht mit scharfen Augen und fürchterlichen Krallen! Trau nicht dem Moos, nicht dem Heidekraut, nicht dem Berge! Die Natur ist böse, von unheimlichen Mächten besessen, die die Menschen hassen. Es gibt keine Stätte, wohin du mit Sicherheit deinen Fuß setzen kannst, es ist unbegreiflich, wie das schwache Menschengeschlecht all diesen Verfolgungen entrinnen kann.
Das Grauen ist eine Hexe. Sitzt sie noch in der Finsternis
der wermländischen Wälder und singt Zauberlieder? Verdunkelt sie noch die Schönheit lächelnder Gefilde? Lähmt sie noch die Freude am Leben? Ihre Macht ist groß gewesen, das weiß ich, in deren Wiege Stahl und in deren Badewasser glühende Kohlen gelegen haben; ich weiß es, ich, die ich ihre eiserne Hand um mein Herz gefühlt habe.
Im übrigen aber soll niemand glauben, daß ich jetzt von etwas Unheimlichem und Schrecklichem erzählen will.