verstanden, was er in seiner Predigt sagte, weil er schwedisch predigte, hörten sie doch, daß er vortragen und auch singen konnte. Und so kamen sie, Männer und Frauen, miteinander überein, er sei ein Mann, der in einem Pfarrhaus mit hohen Zimmern und großen Glasfenstern wohnen sollte, und er wäre nie und nimmer zu ihnen heraufgezogen, wenn es nicht irgendeinen Haken mit ihm hätte.
»Es wäre ihnen auch wohl nicht leicht gefallen, irgend etwas anderes zu denken«, warf die Tante ein.
»Ja, ja, es mußte einen Haken haben. Und sobald einer von ihnen in den schwedischen Bezirk hinunterfuhr, um seine Bärenhäute und Schafpelze zu verkaufen, gaben sie ihm den Auftrag, sich zu erkundigen, was es mit dem Pfarrer für eine Bewandtnis habe.«
Bei diesen Worten sprang der Pfarrer von seinem Stuhl auf und wanderte wieder im Zimmer hin und her. Er war gewiß bis auf den heutigen Tag noch empört darüber. Tante Margreta aber lachte nur und fragte, ob die Abgesandten irgend etwas erfahren hätten.
»Ach, was hätten sie denn erfahren sollen? Sicherlich konnten sie bei ihrer Rückkehr nichts weiter berichten, als daß ihr Pfarrer auf seinen eigenen Wunsch nach Finnerud geschickt worden war.
Die Finnenmänner und die Finnenweiber waren also nachher so klug wie vorher! Natürlich konnte sich nun und nimmer auch nur einer denken, der Pfarrer sei zu ihnen gekommen, weil sie ein verlassenes, verwahrlostes und von ihrem eigenen Volk geschiedenes Häuflein waren. Nein, nein, es mußte sich anders verhalten.«
»Ach, die sind eben gar so klug da droben, Herr Pfarrer. Da darf man nicht so genau mit ihnen ins Gericht gehen.«
»Nachdem sie nun aus ganz sicherer Quelle erfahren hatten, daß er nichts Böses getan hatte, mußten sie es ja glauben; aber sie gaben sich nicht zufrieden, bis sie sich eine Erklärung nach ihrem eigenen Kopfe zurechtgemacht hatten. Er sei wohl nur deshalb zu ihnen heraufgekommen, um sich an das Amt zu gewöhnen und sich darin zu üben; und sobald er sich auf einer Kanzel daheim fühle, werde er sicher auf und davon gehen.«
»Und auch darin bekamen sie nicht recht?«
»Nein, auch darin bekamen sie nicht recht. Jetzt bin ich seit elf Jahren dort,« rief der Pfarrer mit einem unwilligen Auflachen, »aber heutigestags noch können sie es nicht lassen, über mich nachzugrübeln. Im ganzen Dorfe gibt es nicht einen einzigen Mann von Stande, und wenn ich mich nun über meine Einsamkeit beklagt hätte, dann hätten sie mich verstanden. Und wenn ich mich mit meinen Büchern als einzige Gesellschaft in mein Pfarrhaus eingeschlossen hätte, so würden sie auch das verstanden haben. Aber ein Pfarrer, der spät und früh draußen war, und der sich an dem Umgang mit Finnenbauern genügen ließ! Einer, der wissen wollte, wie das Moorheu gemäht und versorgt und wie das Land abgeschwendet wurde, und der mit ihnen auf die Jagd ging, nein, aus einem solchen Pfarrer konnten sie nicht klug werden!«