Liljecrona setzte sich jetzt wieder rittlings auf den Stuhl und drehte sich mit ihm herum, daß er Maja Lisa Auge

in Auge gegenübersaß. Aber er sprach fortgesetzt mit der Tante.

»Nachdem ich ein paar Jahre in Finnerud gewesen war,« erzählte er weiter, »habe ich eines Sonntags auf Finnisch zu predigen versucht. Da haben sie in der Kirche geweint, alle miteinander ohne Ausnahme, so überwältigt waren sie. Und solange der Gottesdienst dauerte, ist es auch gewiß nicht einem einzigen eingefallen, über mich nachzugrübeln. Nein, aber kaum waren sie aus der Kirche heraus, als sie auch schon in der alten Weise fortmachten. Was konnte doch der Pfarrer für eine Absicht dabei haben, ihnen jetzt finnisch zu predigen? Sie gingen dann zu Pekka, dem Knecht im Pfarrhaus, und fragten ihn, wie es denn sei, ob sich der Herr Pfarrer ein neues Pfarrhaus wünsche? Aber Pekka sagte, er habe nichts anderes gemerkt, als daß der Pfarrer mit der einfachen Finnenhütte, die nur eine Stube und keinen Schornstein hatte, so daß man eine Luke öffnen mußte, um den Rauch abziehen zu lassen, ganz zufrieden sei. Und so mußten sie wieder fortgehen und waren abermals nicht klüger als vorher.«

»Ach, Herr Pfarrer, bedenken Sie, wir Ansässigen hier sind nicht immer gut gegen die Fremden gewesen«, warf die Tante ein.

»Keiner von allen konnte etwas so Einfaches wie das, daß man ihnen wohlwollte, begreifen. Sie wären wirklich erfreut gewesen, wenn ich eine betrübte Miene aufgesetzt und wenn ich mich darüber gegrämt hätte, meine Jugend unter armen Finnenbauern vertrödeln zu müssen.

Aber weil ich froh und zufrieden aussah, das regte sie auf.

In einem der Jahre hatte ich einigen Finnenkindern zugeredet, zu mir zu kommen; ich sagte, ich wolle sie Schwedisch lehren, damit sie beim Thing und bei den Jahrmärkten im schwedischen Bezirk drunten nicht so hilflos seien wie ihre Eltern. Aber als die Finnenmänner und Finnenweiber die Kinder schwedisch sprechen hörten, erwachte die alte Unruhe in ihren Herzen. Und sofort gingen sie zu Pekka. Der Herr Pfarrer möchte vielleicht eine größere Besoldung haben? Aber Pekka ließ sie wissen, er habe nie anderes gehört, als daß der Pfarrer mit seiner Besoldung, die nicht größer war, als was ein Knecht bei einem schwedischen Bauern bekommt, zufrieden sei. Pekka war der einzige da droben, der ein bißchen Verstand hatte.

Ganz das gleiche wiederholte sich, als ich die Finnenweiber Flachsbauen lehrte. Ich war mit ihnen aufs Feld hinausgegangen, hatte ihnen alles gezeigt, hatte selbst gesät, gehechelt und gebrochen. Aber als sie nun schließlich in den Finnenhütten eigenen Flachs zu spinnen hatten, da erwachte auch das alte Mißtrauen in ihren Herzen. Warum hatte der Pfarrer sie gelehrt, Flachs zu bauen? Das war absolut nicht zu verstehen. Und wieder mußten sie ihre Zuflucht zu Pekka nehmen. Der Herr Pfarrer werde doch wohl keinen neuen Weg nach dem Pfarrhaus angelegt haben wollen? Pekka antwortete, sein Herr sei zufrieden mit dem Weg, den er habe, obgleich er so uneben und ausgefahren sei, daß man außer zur Winterszeit

mit einem Pferd fast nicht durchkommen könne.« – Ja, so etwas war sehr ärgerlich, das begriff Mutter Margreta recht wohl, und sie sagte, vielleicht habe er sich deshalb von dort weggemeldet?

»Ja, das hat auch dazu beigetragen. Ich habe es sehr bitter empfunden, daß ich mir ihr Vertrauen niemals erwerben konnte. Aber hauptsächlich habe ich es doch getan, weil mir meine Mutter, ja, und auch die ganze Verwandtschaft, immer mit Bitten in den Ohren gelegen haben. Sie sind ebenso unverständig gewesen wie meine Finnenbauern. Unaufhörlich haben sie mir geschrieben, ich verspiele mein Leben da droben. Immer hatten sie mich verlocken wollen, mich zu melden, sobald nur ein einigermaßen anständiges, südlicher gelegenes Pastorat aufging. Es ist mir zwar immer widerwärtig gewesen; aber früher habe ich nichts danach gefragt, denn ich wollte meinen Beruf nach Kräften erfüllen. Als dann aber Sjöskoga –«