Aber Liljecrona unterbrach sie schnell. Er lief nun beinahe im Zimmer hin und her und drückte sich die geballten Fäuste mit einer Art tragikomischer Verzweiflung auf die Stirne.

»Aber meine lieben Finnenbauern, Mutter Margreta! Wißt Ihr, was sie taten, als sie erfuhren, daß ich fortziehen würde? Bäume haben sie im Walde gefällt und mir vor die Haustür gefahren zu einem neuen Pfarrhaus! Meine Besoldung haben sie nicht erhöht, aber sie haben sie auf die eine oder andere Art zu bessern gesucht. Eines Tages lag eine neue Elchhaut in meinem Schlitten, und an einem andern Tag fand ich einen Kübel Butter vor meiner Tür. Sie sagten nicht viel, wenn ich mit ihnen zusammentraf; aber wenn ich auf der Kanzel stand, waren aller Blicke, die der Großen und die der Kleinen, unverwandt auf mich gerichtet, und da verstand ich, was sie dachten. So dachten sie: ‘Du kannst uns nicht verlassen wollen. Dann wäre es besser gewesen, du wärest gar nicht gekommen.’ Nun wußte ich also endlich, daß sie mich gerne behalten wollten.«

Er trat zu Mutter Margreta, setzte sich neben sie und nahm eine ihrer harten verarbeiteten Hände in die seinige.

»Denkt Euch einmal, Mutter Margreta,« sagte er so schön und innig, daß der Tante und Maja Lisa die Tränen

in die Augen traten, »es würde jemand daherkommen und sagen, Ihr dürftet auf einen Herrenhof ziehen, aber Ihr müßtet den Hof hier und alles, womit Ihr Euch Euer ganzes Leben lang beschäftigt habt, dahinten lassen. Was würdet Ihr tun?«

Aber was die Tante hatte antworten wollen, bekam niemand zu wissen, denn jetzt konnte sich Maja Lisa unmöglich mehr still verhalten. Mit glühenden Wangen und einer vor Eifer zitternden Stimme rief sie, er solle doch ganz gewiß in Finnerud bleiben. Warum er denn nach Sjöskoga ziehen wolle? Dort könnte man gut ohne ihn zurechtkommen. Nun habe er soviel für seine Finnenbauern getan, wie er da nur daran denken könnte, von ihnen fortzugehen?

Sie hätte noch lange weitergeredet, wenn nicht in diesem Augenblick jemand nach der Türklinke gegriffen hätte. Da verlor sie den Faden, und obgleich es nicht die Stiefmutter war, sondern nur eine der Mägde, blieb sie doch ganz verwirrt stehen und konnte nicht weiterreden.

Aber der junge Pfarrer hatte sie verstanden. Er sprang auf, trat auf sie zu und streckte ihr die Arme entgegen. Es sah aus, als wolle er sie an sein Herz drücken, er faßte dann aber doch nur ihre beiden Hände und drückte sie zwischen den seinigen.

»Mamsell Maja Lisa, liebste Mamsell Maja Lisa!« sagte er mit großer Wärme. »Ihr seid die erste von meinem eigenen Stand, die glaubt, ich sei denen dort droben von Nutzen, und ich danke Euch von ganzem Herzen. Gewiß, gewiß, ich werde – –«

Doch in dem Augenblick, wo er das Versprechen geben wollte, brach er jäh ab. Die Stimme blieb ihm im Halse stecken, seine Hände zuckten, und als die Pfarrerstochter verwundert ihre Augen auf sein Gesicht richtete, sah sie, daß alle seine Züge in heftiger Leidenschaft bebten. Er wandte sich ab, ging einmal durchs Zimmer, trat wieder zu ihr, beugte sich zu ihr nieder und sagte mit einer Stimme, die durch die große Erregung undeutlich war: »Ich werde zurücktreten, wenn ich es vermag. Und wenn ich es nicht vermag, dann ist Fräulein Maja Lisa daran schuld.«