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Der Schmied von Henriksberg
Ein einziges kleines Weilchen lang an diesem Tag dachte Maja Lisa nicht an die Stiefmutter, nämlich am Abend, als sie mit Pastor Liljecrona und allen den andern Hausbewohnern vor einem hellen Holzfeuer in der Wohnstube saßen und dem großen dunklen Schmied von Henriksberg zuhörten, der an einem der hohen Schränke lehnte und auf der Geige des Hausherrn spielte.
Es war sehr gemütlich hier, und Maja Lisa fing an zu verstehen, daß die Tante sich als Bauernfrau glücklich fühlen konnte. Wie außerordentlich behaglich war es, abends mit Mann und Gesinde ums Feuer zu sitzen, jedes mit seiner Arbeit beschäftigt und alle vergnügt und zum Plaudern aufgelegt! Hier redeten Knecht und Hausherr und Hausfrau und Magd miteinander, als gäbe es keinen Unterschied zwischen ihnen. Ach, es war vielleicht gar kein Glück, wenn man sich als Herrschaft hochmütig über die Untergebenen zu erheben suchte! Erntete man jemals etwas anderes als Einsamkeit und Widerwärtigkeiten?
Wo fand sich sonst eine solche Sicherheit und Geborgenheit als in einem alten Bauernhof? Maja Lisa hätte gern gesagt, man sei da der Erde näher als anderswo, man
wohne da auf einem sicheren Grund und sei nicht so vielen Umwälzungen ausgesetzt.
Ach, wie viele Veränderungen, wie viele Gefahren gab es draußen in der Welt! Jetzt, während der dunkle Schmied spielte, fiel ihr wieder ein, was sie eben heute über den Verwalter auf Henriksberg gehört hatte, diesen Verwalter, der früher ein so großer Geigenkünstler gewesen war.
Pastor Liljecrona hatte ihr alles von seinem Bruder erzählt. Er hatte ja den ganzen Tag in Svansskog auf ihn gewartet, und deshalb hatten sie wohl soviel von ihm gesprochen.
Maja Lisa hatte die Genugtuung gehabt, daß der schöne Pfarrer, der sie zuerst nur wie eine Puppe betrachtete, von dem Augenblick an, wo sie ihn sozusagen überfallen und zu ihm gesagt hatte, er müsse in Finnerud bleiben und dürfe gar nicht an Sjöskoga denken, mit den andern kaum noch ein Wort gesprochen hatte.
Er mußte doch wohl gemerkt haben, daß sie auch ein Mensch war. Von da an hatte er sich nicht mehr die Mühe genommen, sie starr anzusehen; statt dessen hatte er den ganzen Nachmittag mit ihr gesprochen, und das war ein großer Genuß für sie gewesen. Der Pfarrer von Finnerud war ein liebenswürdiger, natürlicher und offenherziger Mensch. Sie hatte sich ebenso leicht mit ihm unterhalten können wie mit ihrem Vater daheim. Am Nachmittag war er mit ihr ins Freie gegangen, denn er konnte nicht stundenlang ununterbrochen im Zimmer sitzen. Sie waren dann auf der Landstraße hin und her