gewandert und hatten von seinem Bruder gesprochen, bis die Dämmerung hereinbrach.
Die Liljecronas stammten gerade wie Maja Lisa aus einem alten Pfarrergeschlecht. Gerade wie Maja Lisa sich rühmen konnte, daß ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter in derselben Gemeinde Pfarrfrauen gewesen waren, so konnte er sich rühmen, daß sein Vater, Großvater und Urgroßvater in ein und derselben Gemeinde als Pröpste einander gefolgt waren.
Wenn der Vater dieser Brüder länger am Leben geblieben wäre, hätte wohl Sven, der jüngste von ihnen, auch wie die andern studieren dürfen. Aber als die Mutter Witwe geworden war und eine Menge Kinder zu versorgen hatte, konnte sie die Studienkosten nicht aufbringen. Dagegen hatte ein alter Freund des Propstes Liljecrona, der Hüttenbesitzer Altringer auf Ekeby, angeboten, sich des Jungen anzunehmen unter der Bedingung, daß er ihn für das Hüttenwerk erziehen dürfe. Für dieses Anerbieten war die Mutter außerordentlich dankbar gewesen, und als Sven vierzehn Jahre alt war, wurde er nach Henriksberg geschickt, dem Hüttenwerk, das Altringer damals eben gekauft hatte. Auf Altringers Wunsch sollte der Junge den Hüttenbetrieb ganz von unten auf lernen, und der Anfang davon war, daß er das Kontor auskehren, Kohlen herbeischleppen und den Pudel für alle Leute machen mußte.
Dies ging ununterbrochen so fort, bis er siebzehn Jahre alt war. Aber da geschah es eines Tages, daß einer der Hammerschmiede erkrankte. Man schickte nach dem
Hüttenverwalter. Dieser begab sich ins Hüttenwerk hinüber, stellte sich an die Tür des kranken Schmieds, sah ihn eine Weile an und ging dann geradeswegs ins Kontor, wo der Inspektor an seinem Pult saß und schrieb.
»Sie müssen die Verwaltung ein paar Tage übernehmen, Herr Inspektor«, sagte der Verwalter. »Ich muß hinauf in den Finnenbezirk und Kohlen einkaufen.«
Er machte sich gleich auf den Weg; der Inspektor aber dehnte sich behaglich auf dem Kontorsofa und dachte, es sei doch recht schön, für eine Weile der Herr im Haus zu sein. Aber es währte nicht lange, da wurde auch er ins Hüttenwerk gerufen. Jetzt war einer der Kleinschmiede in derselben Weise wie der Hammerschmied erkrankt. Der Inspektor begab sich sofort ins Hammerwerk, um nach dem Kranken zu sehen. Er stellte sich an dessen Tür, sah ihn eine Weile an und ging dann schnurstracks nach dem Wasserfall, wo der Lehrling meistens saß und Unkelejen fischte.
Er traf richtig Sven und sagte, er solle gleich mit ihm aufs Kontor kommen.
»Hör, Liljecrona,« sagte er da, »der Verwalter ist fort, und ich bin nach Björnidet eingeladen. Du mußt das Hüttenwerk ein paar Tage versehen. Hier hast du die Schlüssel, und hier ist die Kasse. Du hast nichts weiter zu tun als aufzupassen, daß die Leute wie gewöhnlich arbeiten.«
Damit stand er auf; der Lehrling aber setzte sich auf den Kontorstuhl, und es kam ihm großartig vor, daß er jetzt Herr auf Henriksberg sei.