Aber er hatte noch nicht lange so dagesessen, als ein Bote vom Hüttenwerk kam und meldete, den Kranken gehe es schlechter. Sven eilte ins Hüttenwerk hinunter und ging gleich in die Wohnung des Hammerschmieds; aber er blieb nicht an der Tür stehen wie die beiden andern, sondern trat zu dem Kranken, der ganz rot und aufgeschwollen dalag und schrecklich anzusehen war.
»Wißt Ihr, was Ihr für eine Krankheit habt?« fragte er den Schmied.
»Die Pocken sind’s«, antwortete dieser. »Geh nur gleich an den Schrank im Kontor, wo der Verwalter die Arzneimittel aufhebt, und gib uns Kampfer und saure Tropfen, wenn du überhaupt dazubleiben wagst und nicht eiligst auf und davon gehen willst wie die andern.«
Aber Sven war geblieben, obgleich schließlich fast alle Leute im Hüttenwerk erkrankten. Verwalter und Inspektor ließen nichts von sich hören, im Umkreis von zehn Meilen war kein Arzt aufzutreiben. Sven und eine alte Haushälterin gingen umher und gossen den Kranken alle die Arzneien ein, die sie zur Hand hatten. Einige starben und einige genasen; aber die Seuche konnte ja nicht ewig andauern, schließlich hörte sie von selbst auf. Und dann kam alles wieder ins alte Geleise. Der Inspektor blieb fünf Monate fort und ließ sich’s wohl sein. Der Verwalter kaufte ein halbes Jahr lang Kohlen auf, dann hielt er seinen Einzug im Hüttenwerk. Und nun durfte der Lehrling wieder das Kontor auskehren und Unkelejen in der Stromschnelle fischen, gerade wie vorher.
Aber wenn auch das Henriksberger Hüttenwerk noch
so weltverlassen in der Wildnis lag, so wurde die Geschichte doch ruchbar und weitum bekannt. Und eines Tages kam Hüttenbesitzer Altringer angefahren. Er sagte kein Wort über die Sache, weder zum Verwalter noch zum Inspektor, sondern fragte nur, wie sich der junge Liljecrona anlasse. Der Hüttenverwalter stellte ihm ein ziemlich gutes Zeugnis aus und meinte, der Junge könnte mit der Zeit recht tüchtig im Hüttenberuf werden, wenn er nur mehr Interesse dafür zeigte. Er sei durchaus nicht unbrauchbar, aber ein Träumer, und er gehe oft umher, als ginge ihn der ganze Hüttenbetrieb gar nichts an.
Altringer verlangte nun Liljecrona selbst zu sprechen und sagte, er solle ins Kontor gerufen werden. Als Sven kam, stellte Altringer ihn vor sich hin, sah ihm fest in die Augen und fragte ihn, warum er nicht wie die andern davongegangen sei, solange die Pockenseuche wütete.
Sven gab keine Antwort, wurde aber dunkelrot, wie wenn dies die schlimmste Frage wäre, die an ihn gestellt werden könnte.
»Hatte Er denn keine Angst?«
»Doch.«