Aber warum war er vor ein paar Wochen in der einfachen Tracht eines Vorarbeiters vom Hüttenwerk nach Loby gekommen? Darüber konnte sie sich nicht recht klar werden. Vielleicht weil ihn diese Kleidung am bequemsten dünkte, wenn er auf einen Bauernhof fuhr! Und da ihn niemand erkannte, sondern alle ihn für einen Schmied hielten, hatte er sie eben auf dem Glauben gelassen; vielleicht hatte er sich auch gescheut, ihnen zu sagen, wer er sei, als er da mitten in die Hochzeitsfeier hineingeraten war.

Maja Lisa hörte auf, der Tante die Wollkämme zu reichen, und bedeckte die Augen mit der Hand. Warum hatte er sich auch heute so verkleidet?

Sie brauchte nicht lange zu grübeln. Gleich stand alles deutlich vor ihr. Jetzt wollte er etwas. Diesmal hatte er eine bestimmte Absicht. Er wünschte, daß sie und sein Bruder – –

Ach, das war gar so schön, und es war höchst wundersam! Nun begriff sie: er hatte gewollt, sie und Pastor Liljecrona sollten sich sehen und sprechen. Ja, so mußte es sein! Als ihm gestern abend der Speziestaler von ihr gegeben worden war, hatte er den Skiläufer zu seinem Bruder geschickt, um ihn nach Svansskog zu locken. Hier hatte er ihn dann den ganzen Tag auf sich warten lassen, und als er am späten Abend eintraf, kam er in dieser

Tracht. Er wollte nichts vorstellen. Nein, sie sollte an niemand denken als an den Bruder.

Und jetzt stand er dort drüben und spielte Bauerntänze auf Bauernweise, um die Bauersleute zu erfreuen. Er hatte ja einst gesagt, er könne nie wieder einen Bogen führen, aber dies betrachtete er natürlich gar nicht als Geigenspiel.

Es war nicht der Verstand, der Maja Lisa dies alles sagte. Nein, das Gefühl war’s, mit diesem konnte sie alle seine Gedanken erraten. Und sie wußte nicht, ob sie über ihn lachen oder weinen sollte.

Eines war sicher, sie mußte ihm gefallen haben, wenn er diese Zusammenkunft mit seinem Bruder ins Werk gesetzt hatte. Oder hatte sie ihm nur leid getan, weil es ihr daheim so schlecht ging? Hatte er ihr einen guten, klugen Freund verschaffen wollen, der sie von aller Bedrängnis fortführen könnte?

Ja, ja, er selbst hatte seinen großen Kummer. Den konnte er nie überwinden. Seine Liebste war tot, und er würde sie nie vergessen. Maja Lisa war für ihn nur ein armes Mädchen, die, als er mit ihr zusammengetroffen war, im Ofenwinkel gesessen und geweint hatte, und der er nun zu Ehre und Glück verhelfen wollte.

Maja Lisa mußte den Kopf aufrichten und die andern ansehen. Denn wirklich, war sie nicht auf dem Punkt, in Tränen auszubrechen, als sie bedachte, daß er für sich selbst gar nichts mehr vom Leben verlangte!