Aber gerade da, als sie die Augen aufschlug, als ihre Gedanken am eifrigsten arbeiteten und ihr Herz von

Schmerz und Freude zugleich erfüllt war, als sie weit, weit weg war von allem, was ihr an andern Tagen Not bereitete, wurde wieder nach der Klinke gefaßt, und jemand steckte den Kopf zur Tür herein.

Maja Lisa starrte der Eintretenden entgegen, als sei es eine ganz unbekannte Person, und sie ging auch nicht auf sie zu. Tante Margreta schob den Spinnrocken zurück und stand auf, aber Maja Lisa blieb unbeweglich sitzen und konnte nicht aus ihren Träumen erwachen. Sie begriff auch kaum, wer eigentlich gekommen war, als sie den Gast mit rauher Stimme sagen hörte, sie habe den langen Bengt begleitet, Maja Lisa abzuholen, und als die Tante antwortete, die Frau Pfarrer werde es doch nicht so eilig haben, daß sie nicht ablegen und zu Abend mit ihnen essen könnte, ehe sie wieder heimfahre.

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Der Fähnrich

Die neue Pfarrfrau auf Lövdala hatte die Gewohnheit, durch alle Leute Botensendungen und kleine Aufträge besorgen zu lassen. Wenn irgend jemand am Pfarrhaus vorüberkam, einerlei ob Bauer oder Herr, stets stand die Pfarrfrau auf der Küchentreppe und winkte und rief, bis er anhielt. Dann mußte Maja Lisa oder die Kleine eiligst auf die Straße hinauslaufen und die Vorüberfahrenden bitten, doch so freundlich zu sein, ein Pfund Butter mitzunehmen, das Frau Raclitz dem Hauptmann auf Berga verkaufen wollte, oder einen Weberkamm, den sie von der alten Frau Moreus entlehnt hatte.

Bisweilen gab sie ihnen sogar Sachen mit, die schwer und groß und umständlich zu besorgen waren, und bald waren die Leute in steter Angst, wenn ihr Weg sie an Lövdala vorbeiführte. Es war ihnen unangenehm, der Pfarrfrau ihre Bitte abzuschlagen, aber ganz unmöglich war es, vorbeizukommen, ohne daß sie einen sah.

Nun, jedenfalls hatte sie ein ganz besonderes Talent, die Leute dazu zu bringen, Besorgungen für sie zu machen.

Ja selbst ein solcher Tunichtgut wie der schöne Örneclou mußte ihr notgedrungen einmal einen Gefallen tun.

Es sah indes zuerst nicht danach aus, als sollte zwischen dem Fähnrich und der Pfarrfrau große Freundschaft entstehen, als er in der letzten Januarwoche auf Lövdala eintraf. Er pflegte immer um diese Zeit zu kommen und dann acht bis vierzehn Tage zu bleiben. Aber gleich bei seiner Ankunft sagte die Pfarrfrau, sie werde es schon so einrichten, daß dieser Tagedieb nicht alt auf dem Hofe werde. Er war gerade in die strengen Arbeitstage nach den vielen Weihnachtsfestlichkeiten hineingekommen, und jetzt wollte sie keinen Gast im Hause haben, den man bedienen mußte.