Und dann mußte man ja nicht Örneclou allein aufnehmen, sondern auch noch sein Pferd; denn so arm er auch war, mit einem eigenen Pferd kam er doch angefahren. Und das Pferd mußte sein Futter und seine Wartung haben, gerade wie sein Herr.

Die Pfarrfrau tat alles, was sie konnte, um es Örneclou recht ungemütlich zu machen. Zum ersten ließ sie das Zimmermädchen den schweren Reisesack, worin er seine Brennscheren und Perücken verwahrte, in das geringere Gastzimmer tragen. Örneclou war gewöhnt, in dem guten Gastzimmer zu wohnen, wo es eine Feuerstelle und ein Himmelbett mit feinen Daunenkissen und Federpolstern gab; aber er hatte niemals so befriedigt ausgesehen, wenn er dort eingetreten war, als jetzt, wo er nur in das geringere geführt wurde.

Ei, hier habe er von jeher schlafen wollen! sagte er. Dies sei ja das Zimmer, das man im Pfarrhaus das »Nachtquartier« nenne, weil jeder beliebige Mensch, der

daherkomme und um ein Nachtlager bitte, darin aufgenommen werde. Hier könne er fast sicher sein, in später Nacht noch Gesellschaft zu bekommen, er schlafe ohnedies schlecht, da brauche er jemand, mit dem er sich unterhalten könne. Und in dem großen Himmelbett im Gastzimmer sei es immer gleich so dumpfig, da liege er viel lieber hier in der schmalen Bettstelle auf Stroh.

Das allerbeste sei aber doch, daß weder Feuerstelle noch Ofen vorhanden sei, sondern daß das Zimmer seine Wärme von dem großen Kamin bekomme, der von der Küche heraufführe und beinahe die halbe Stube einnehme. Wie schön: kein Rauch und kein Ruß, nur eine gleichmäßige, behagliche Wärme den ganzen Tag hindurch!

Und eine solide, prächtige Einrichtung habe er hier auch mit dem unangestrichenen Tisch und den ungepolsterten Stühlen. Da könne er durchaus nichts verderben, wenn er seine Perücke brenne oder sich den Schnurrbart färbe.

In dieser Weise fuhr er fort, solange sich das Zimmermädchen in der Stube befand. Welches Gesicht er aber machte, als sie gegangen war, das kann niemand wissen. Es war ein kalter Tag, und es war gewiß nicht sehr warm in dem ungeheizten Zimmer, während er sich umzog und sich fein machte. Aber seine Wangen schimmerten im schönsten Rosenrot, und seine Augenbrauen waren prächtig gemalt, als er zum Mittagessen herunterkam; kein Mensch konnte sehen, daß er das Kunstwerk mit vor Kälte steifen Fingern hatte ausführen müssen.

Die Pfarrfrau wußte eines recht gut: es gab keinen

größeren Feinschmecker als Örneclou. Nicht genug damit, daß er immer etwas Gutes essen wollte, nein, er legte auch großen Wert darauf, das Essen in einem schönen Zimmer einzunehmen und es auf feinem Damast und blankem Silber zu bekommen.

In früheren Zeiten, darüber hegte die Pfarrfrau durchaus keinen Zweifel, war während seiner Anwesenheit im Saal gegessen worden, und man hatte ihm aufgetischt, was das Haus vermochte; aber jetzt, wo sie seinem Besuch so bald ein Ende machen wollte, deckte sie in der Küchenkammer auf richtige Werktagsweise und bot ihm nichts als Blutklöße und Kohlsuppe an.