Örneclou war in seiner allerliebenswürdigsten Laune und sagte dem Pfarrer eine Schmeichelei um die andere darüber, daß er so klug gewesen sei, sich wieder zu verheiraten. Wenn man bedenke, wie gut es der alte Propst in Sjöskoga, der so viele Jahre lang Witwer gewesen war, hätte haben können! Als er, der Fähnrich, ihn zum letztenmal besuchte, sei im Eßzimmer der Boden nicht gefegt gewesen, und sie hatten in einem der Schlafzimmer essen müssen. Kein einziges reines Tischtuch habe es gegeben, sondern alle voller Flecken, und die Mägde seien zu faul gewesen, jeden Tag zu kochen; die Kohlsuppe vom Sonntag sei jeden Tag wieder aufmarschiert, und sie hätten noch froh sein müssen, wenn sie recht lange reichte.
Da habe es sich sein alter Freund und Bruder auf Lövdala ganz anders gut eingerichtet. Eine so tüchtige Hausfrau, wie seine Gattin, könnte man weit suchen. Überall habe man ihm ihr Lob gesungen, und er sei mit
großen Erwartungen aller der Leckerbissen, die er diesmal zu schmecken bekommen werde, hergereist. Und außerdem, wie gut sei es doch für Maja Lisa, daß sie nun lernen könne, wie ein Tisch gedeckt und wie die Speisen angerichtet und aufgetragen werden sollten, und zwar von jemand, der so gut wisse, wie es in feinen Häusern zugehe.
Der schöne Örneclou hatte ein besonderes Talent, Bosheiten zu sagen, und sie trafen meist auch ins Schwarze; aber Anna Maria Raclitz gehörte nicht zu denen, die sich ein paar Stichelreden zu Herzen nahmen, sondern sie sagte mit ihrer rauhen Stimme:
Wenn es dem Herrn Fähnrich bei diesem Witwer nicht gefallen habe, dann hätte er ja leicht abreisen können.
Da merkte Örneclou, daß er, wenn er nicht eine andere Taktik einschlug, weder im Saal speisen noch in dem guten Gastzimmer schlafen durfte.
Am liebsten wäre er gleich wieder abgereist; aber da war noch etwas anderes im Spiel! Ein Frauenzimmer wollte ihn verjagen, das war doch merkwürdig! In seinem ganzen Leben war ihm das noch nicht vorgekommen, und darein konnte er sich nun und nimmer finden!
Er war allerdings bald mitten in den Vierzigern, aber doch immer noch ein schöner Mann, dem bis jetzt kein weibliches Wesen hatte widerstehen können.
Und der Fähnrich blieb da. Ein paar Stunden saß er mit dem Pfarrer am Brettspiel, und als dieser in der Dämmerung hinausging, um mit dem langen Bengt
etwas Landwirtschaftliches zu besprechen, ging der Fähnrich in den Saal und unterhielt sich mit der Pfarrfrau.