Frau Raclitz saß kerzengerade auf einem Stuhl am Fenster und benützte das letzte Restchen Tageslicht, ein paar Strümpfe fertig zu stopfen.

Örneclou machte nun einen Versuch, die Festung zu stürmen. Er sagte, er fühle, daß er alt werde, aber mit den Jahren sei er doch allmählich klüger geworden. Die jungen Mädchen seien alle miteinander unbeständig und flatterhaft. Er wolle nun mit diesem Schmetterlingsgegaukel aufhören, und deshalb möchte er die Frau Base fragen – er hoffe doch, er dürfe als alter Freund Base zu ihr sagen –, ob sie wohl eine etwas ältere Dame kenne, ja natürlich zu alt sollte sie auch nicht sein, aber doch einige zwanzig, die gesetzt und häuslich wäre und sich um so einen armen Kerl, wie er einer sei, annehmen würde?

Die Pfarrfrau saß unbeweglich da. In dem trüben Dämmerlicht war nicht zu erkennen, was für ein Gesicht sie machte. Aber Örneclou glaubte doch zu bemerken, daß sich ihre schmalen Lippen ein wenig verzogen. Sollte sie sich am Ende über ihn lustig machen?

Ei, das war ja eine ganz gefährliche Person, die Lyselius da geheiratet hatte! Örneclou wußte doch bestimmt, wenn man eine ältere Dame für sich einnehmen wollte, gab es kein sichereres Mittel, als daß man sie für seine Heiratspläne zu interessieren suchte.

Noch nie in seinem Leben hatte Örneclou mit einem Frauenzimmer von anderem gesprochen als von Liebe und

Heirat. Es fiel ihm absolut nichts anderes ein, wovon er mit ihnen reden könnte. Deshalb fing er nun noch einmal von derselben Sache an, nur daß er jetzt gerade das Gegenteil von dem sagte, was er vorher vorgebracht hatte.

»Ich sehe schon,« fuhr er fort, »Ihr, liebe Frau Base, habt so viel von mir gehört, daß Ihr nicht glaubt, ich werde mit einer Gattin zufrieden sein, die nicht schön und auch nicht mehr ganz jung wäre.

Aber das dürft Ihr mir doch zutrauen, daß ich möchte, sie solle neben diesen anderen guten Qualitäten auch klug und verständig sein. Und ich denke, Maja Lisa Lyselius wäre jetzt, seit sie unter der Leitung der Frau Base steht ...«

Hier hielt Örneclou vorsichtigerweise inne, um herauszubringen, ob er weitergehen dürfe, oder ob er etwas Ungeschicktes gesagt habe. Die Dämmerung senkte sich immer tiefer herab, und es fiel ihm immer schwerer, die Gesichtszüge der ungeselligen Person, die da vor ihm saß, zu unterscheiden.

Aber eigentlich sah es aus, als ob die Pfarrfrau verstohlen lächelte.