Örneclou war indes gar nicht sosehr überrascht. Er wußte ja von alters her, daß ihm kein Frauenzimmer widerstehen konnte, wenn er sich so viele Mühe gab, wie er bei der alten Raclitz aufgewendet hatte. Aber so ganz verständlich war ihm die Sache doch nicht, und es war immer noch etwas Sonderbares daran, bis er sich schließlich herausgeklügelt hatte, daß sie sich sicherlich seinen Antrag überlegt und nun die Absicht hatte, ihn zum Schwiegersohn zu erwählen.

Na ja, Örneclou hatte sich nicht soviel bei dieser Freierei gedacht. Aber warum nicht? Es wäre gar nicht so übel, wenn er Maja Lisa bekäme. Und daß er sie bekommen konnte, war klar wie der Tag. Die Schwiegermutter war außerordentlich freundlich gegen ihn und wußte gar nicht, was sie ihm alles zulieb tun sollte.

Aber ehe er sich ernstlich band, wollte er doch noch eine Reise durch Värmland machen und alle die guten alten Plätze aufsuchen, wo er seither Gastfreundschaft genossen hatte. Wenn er einmal verheiratet war und Frau und Hof hatte, mußte er natürlich daheim bleiben. Er konnte sich deshalb auch diesmal gar nicht so lange in Lövdala

aufhalten, wie er sonst zu tun pflegte, sondern mußte abreisen, je früher desto besser. Natürlich nur, um desto schneller wieder zurückzukehren.

Als er darum an einem der nächsten Morgen erklärte, er müsse abreisen, sah er der Pfarrfrau und auch der Pfarrerstochter wohl an, wie leid es ihnen tat. Sie wollten ihn zum Bleiben überreden, aber er war unerschütterlich. Vor Abend müsse er ganz notwendig in Karlstadt sein.

Natürlich sagte er nicht geradeheraus, daß er nur abreise, um bald wiederzukommen und der Herr auf dem Hofe zu werden; aber dies lag alles unter der Decke. Die Pfarrfrau, die offenbar ein ganz ungewöhnliches Frauenzimmer war, verstand sicher, was es bedeutete.

Und schon ehe er abgefahren war, fühlte er das Heimweh in sein Herz hineinschleichen. Ja, hier würde er gewiß glücklich sein!

Als er eben dabei war, seinen Pelzmantel anzuziehen, trat die Pfarrfrau zu ihm und fragte, ob er ihr wohl einen Gefallen tun würde. Die gnädige Frau auf Lökene hätte einen Hahn bei ihr bestellt, und nun möchte sie fragen, ob es ihm nicht zuviel sei, wenn sie ihm das Tier mitgebe? Wenn er doch nach Karlstadt fahre, komme er ja direkt an Lökene vorbei.

Der Fähnrich willigte gleich mit Freuden ein. Zum ersten konnte er der künftigen Schwiegermutter einen Gefallen tun. Und zum zweiten bekam er dadurch Gelegenheit, sich in Lökene zu zeigen und sich dort an einer Mahlzeit gütlich zu tun.

Aber als der Fähnrich einwilligte, wußte er natürlich nicht, daß der Hahn, den er mitnehmen sollte, lebend war.