dem sie dem armen Liljecrona das Leben in dem Finnendorf erträglich gemacht hat.
Nun, wir sitzen also beisammen und reden von dem und jenem. Nicht wahr, Ihr versteht, sie kommt nicht von besseren Leuten, ist eigentlich nur ein Bauernmädchen, aber doch recht verständig in allem, was sie sagt. Wir haben indes noch nicht viele Worte gewechselt, als ich merke, daß sie etwas bedrückt. Ich spreche ihr freundlich zu – Ihr wißt, ich verstehe mich ein wenig auf Frauenzimmer –, sie faßt Vertrauen zu mir. Da fragt sie mich geradeheraus, ob ich meine, daß Liljecrona das große Pastorat bekommen werde. Er hätte ihr versprochen, ja schon vor acht Jahren, als er zuerst da hinaufkam, sie zu heiraten, sobald er eine bessere Stelle erhalte. Nun aber habe sie große Angst, weil dieses Sjöskoga gar so großartig sei. Wenn jetzt nur Liljecrona nicht denke, sie sei zur Pröpstin nicht fein genug.
Ihr versteht, sie war ganz verzweifelt. Ich gab mir alle Mühe, sie zu beruhigen, so gut ich konnte, und versprach ihr auch, Liljecrona betreffs seiner Pläne auf den Zahn zu fühlen. Am nächsten Tag sagte ich Liljecrona geradeheraus, daß ich das Verhältnis durchschaut hätte, und fragte ihn, warum er denn eigentlich die Verbindung nicht rechtskräftig mache. Da sagte er ganz offen, dazu sei er zu arm. Wenn er seine Magd, wie er sich ausdrückte, heirate, dann werde sie ja die Frau, und dann müsse er sich zu ihrer Bedienung eine andere Magd halten. ‘Denn dessen kannst du versichert sein,’ sagte er, ‘dann melkt sie keine Kühe mehr und hilft auch Pekka
nicht mehr auf dem Acker. Selbstverständlich werde ich sie heiraten, sobald ich die Mittel dazu habe.’ Ich erwiderte: wenn er nun nach Sjöskoga komme ... ‘Ach, Sjöskoga,’ versetzte er, ‘das will ich gar nicht haben. Ich habe im Sinn, zurückzutreten.’«
Örneclou schwieg. Er konnte die Pfarrfrau in der Dunkelheit kaum noch unterscheiden und hörte auch die Stricknadeln nicht mehr klirren. Es wurde ihm beinahe unheimlich zumut. Vielleicht hatte er sich hier, wenn auch nicht ein Verbrechen, doch immerhin eine sehr große Unvorsichtigkeit zuschulden kommen lassen.
»Jetzt habe ich der Frau Base alles gesagt, was ich weiß«, begann er wieder. »Und ich möchte Euch bitten, Euch nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen. Es gibt jedenfalls im ganzen Sprengel keinen ausgezeichneteren jungen Geistlichen als Liljecrona. Bedenket, was das heißen will, sich in dem Maße für arme Finnenbauern aufzuopfern! Mit seinen Gaben volle elf Jahre in einer Armut zu leben, wie er es getan hat! Ich möchte sagen, er ist ein Held, gerade wie der Korsikaner, von dem man in jetziger Zeit so viel Wesens macht.«
Das Schweigen dauerte weiter, und dem Fähnrich wurde es immer unbehaglicher zumut. Schon fing er wieder an, Liljecronas Lob zu singen, als die Pfarrfrau von ihrem Platz aufstand und mit einer Stimme, die einen ganz anderen Klang hatte, als während des vorausgegangenen Gesprächs, sagte:
»Ich höre Lyselius kommen. Geht nun zu ihm hinein, Örneclou, und unterhaltet Euch mit ihm, anstatt hier bei
mir in der Dunkelheit zu sitzen. Er freut sich sicher auf ein Plauderstündchen unter vier Augen mit einem so guten alten Freund, wie Ihr seid.«
Und von da an war die Pfarrfrau wie ein umgewendeter Handschuh. Örneclou durfte im Saal essen, er durfte im besten Gastzimmer schlafen, und es wurden ihm so gute Gerichte aufgetischt, wie bisher nicht einmal der Pfarrer bekommen hatte.