»Ich möchte sehr gerne wissen, ob er nicht ein Auge auf unsere Maja Lisa geworfen hat,« fuhr die Pfarrfrau ganz offenherzig fort, »und man hört ja auch nichts als Gutes über ihn.«
Sie tat nur mütterlich interessiert; aber Örneclou meinte doch aus ihrem Tone etwas herauszuhören, das darauf deutete, daß sie nichts dagegen hätte, wenn sie irgendeine Klatscherei über den Freier erfahren könnte.
»Ach, Ihr, Frau Base, seid doch wohl verständig genug, Nachsicht mit der Jugend zu haben«, sagte Örneclou. »Man muß bedenken, wie einsam er es da droben unter den Finnen hat. Ich selbst bin immer der letzte, der in solchen Fällen einen Stein aufhebt. Aber leugnen läßt es sich allerdings nicht, daß Liljecrona seit Jahren ein Verhältnis in Finnerud hat. Doch kann das sehr leicht in Ordnung gebracht werden, ohne daß Maja Lisa auch nur das geringste davon erfährt.«
Die Dunkelheit hatte die Pfarrfrau endlich gezwungen, das Stopfen aufzugeben. Aber sie zündete deshalb kein Licht an, sondern griff nach einem Strickzeug, an dem sie, auch ohne die Augen zu gebrauchen, weiterarbeiten konnte. Die Nadeln bewegten sich still und gleichmäßig, aber als der junge Örneclou sagte, der Pfarrer habe ein Verhältnis, da klirrten sie in ihren Händen.
Und die Stimme der Pfarrfrau klang auch ganz verändert, als sie entgegnete:
»Was sagt Ihr da, Fähnrich? Es ist doch wohl nicht möglich, daß ein Pfarrer ... Wie kann der Bischof ...«
»Ach, Frau Base, Ihr wißt nicht, wie entlegen Finnerud ist. Und ich glaube sicher, daß außer mir niemand irgend etwas von der Sache weiß, nicht einmal seine nächsten Verwandten. Ich selbst bin auch nur durch einen reinen Zufall der Sache auf die Spur gekommen. Auch habe ich selbstverständlich gegen jedermann darüber geschwiegen und hätte auch jetzt nichts gesagt, wenn ich es nicht für meine Pflicht hielte, einer zärtlichen, fürsorglichen Mutter meine Bedenken mitzuteilen.«
Wieder klirrten die Stricknadeln heftig gegeneinander, und die Pfarrfrau sagte: »Es ist vielleicht gar nicht wahr. Heutigestags werden alle Menschen verleumdet.«
Örneclou räusperte sich, und dann begann er:
»Ihr zwingt mich, Euch mehr zu verraten, als ich möchte. Aber wie gesagt, ich halte es für meine Pflicht, der Frau Base einen klaren Einblick in die Sache zu geben. Ich versichere Euch, bis zu meinem letzten Besuch vor Weihnachten hatte ich keine Ahnung, wie es bei Liljecrona bestellt war. Er war nicht daheim, als ich ankam, aber seine Haushälterin empfing mich aufs beste und bat mich, die Heimkehr des Hausherrn abzuwarten. Na, es dauerte recht lange, bis er kam, und unterdessen ließ ich mich mit der Frau in ein Gespräch ein. Wißt Ihr, sie ist in ihrer Art eine vortreffliche Person. Nicht von finnischer Herkunft, sondern aus dem Schwedengau, wie sie da droben sagen, und wirklich überraschend tüchtig. Voller Bewunderung habe ich den unermüdlichen Eifer gesehen, mit