Da pflegte dann der lange Bengt zu erzählen, daß die alte Wasserfrau, die im Svartsjö gewohnt hatte, sich heimatlos fühle, seit dieser ausgetrocknet sei – denn das könne doch kein Mensch verlangen, daß so eine vornehme Frau in dem ärmlichen Svartsjöbache, der jetzt noch durch den früheren Seegrund ziehe, befriedigt sein könne –,

und daß sie immer wieder versuche, sich in einen Hof einzuschleichen. Sie habe sich schon da und dort eingenistet; aber an den anderen Orten habe man beizeiten herausgebracht, wer sie war, und so habe man sie fortgejagt, ehe sie etwas Böses anstellen konnte.

Die muntere Maja wußte auch eine Geschichte von dem Sohn des Herrn Olavus, dem früheren Svartsjöer Pfarrer, der in einer Frühlingsnacht an den Svartsjöbach hinuntergegangen und dort ertrunken war. Daraus gehe doch etwas deutlich hervor: die Wasserfrau, die hatte ihn bezaubert gehabt, sonst wäre es ihm ja gar nicht möglich gewesen, in so einem Bach zu ertrinken.

Der lange Bengt sprach von jenem Morgen, wo er und die Vettersbuben auf dem südlichen Anger das Heu gemäht hatten. Die beiden Buben und er hätten auch sofort gesehen, wer da durchs Gras daherkam. Sie sei ja so naß gewesen, daß ihre Kleider trieften. Das sei doch wohl ein genügend deutliches Zeichen dafür, was für eine sie war. Und wie irr und wirr ihre Augen ausgesehen hätten, wahrhaftig nicht wie bei einem Christenmenschen!

Keines von den dreien hegte den geringsten Zweifel, wer die jetzige Pfarrfrau in Svartsjö war, und darüber waren auch alle einig, daß sie nicht wieder fortgehe, ehe sie den ganzen Hof ins Verderben gebracht habe.

Die Kleine glaubte ganz dasselbe, besonders abends und in der Dunkelheit. Bei Tag fiel es ihr schwer zu glauben, daß die heimatlose Wasserfrau aus dem Svartsjö auf Lövdala umhergehe und spinne und webe. Aber auch

da war das Mißtrauen in der Kleinen noch so lebendig, daß sie zusammenfuhr, wenn sie die Pfarrfrau nur sah.

Als aber die Pfarrfrau nun an der Küchentür erschien und ihr winkte, blieb ihr jedenfalls nichts anderes übrig, als mit ihr durch die Küchenkammer zu gehen, wo Mamsell Maja Lisa einen Hohlsaum an einem Laken nähte, und in den Saal hinein, einem schönen großen Zimmer mit Möbeln aus gelbgebeiztem Birkenholz und blaugewürfelten Bodenläufern. Das Zimmer hatte zwei Fenster. An dem einen stand eine hohe grüne Kallapflanze, vor dem andern ein kleiner Nähtisch. Die Platte war zurückgeschlagen, und man konnte die vielen kleinen Fächer sehen, die mit Zwirnsträngen und Seidenknäueln, Wachs und Nadelbüchern, Namentüchern und Bandrollen, Haken und Ösen und vielem andern, was sinnreich und bequem war, gefüllt waren.

Die Pfarrfrau zeigte der Kleinen alles, was in den Fächern war, und ließ sie erraten, wozu die einzelnen Gegenstände gebraucht wurden. Sie war so freundlich gegen das Kind, daß sie sogar zu lachen versuchte, wenn die Kleine falsch riet, obgleich ihr das so ungewohnt war, daß sich ihre Mundwinkel förmlich dagegen sträubten.

Je freundlicher sie wurde, desto fester preßte die Kleine den Mund zusammen, und desto aufmerksamer wurde der Blick ihrer glänzenden Augen. Wenn nur die Pfarrfrau sie nicht verführen wollte, etwas zu sagen, was der Pfarrerstochter Schaden bringen konnte!