Nein, das meine sie durchaus nicht. Aber sie brauche nicht mehr zu lernen, als sie schon könne, weil sie jetzt wieder heim nach Koltorp gehe.
Zugleich trat sie auf die Pfarrfrau zu, reichte ihr die Hand und sagte, sie könne sich auch ebensogut gleich verabschieden.
»Aber liebes Kind!« rief die Pfarrfrau. »Ich verstehe dich absolut nicht. Warum willst du denn auf und davon gehen?«
Die Kleine trat ein paar Schritte zurück, wie um außerhalb greifbarer Nähe zu sein, ehe sie ihre Erklärung gab.
»Mutter ist Kindermädchen hier auf Lövdala gewesen, und Mutter hat die Pfarrerstochter lieb. Und als Mutter an Weihnachten hier war, hat sie zu mir gesagt, wenn Mamsell Maja Lisa meinetwegen noch weitere Unannehmlichkeiten bekomme, solle ich nicht hierbleiben, sondern heimkommen.«
Als die Kleine das gesagt hatte, schob sie sich an der Wand weiter, bis sie die Ecke neben der Küchentür erreicht hatte. Da blieb sie stehen und wartete auf das, was kommen würde.
Die roten Flecke brannten auf Frau Raclitzas Wangen, und sie ging mit erhobener Hand auf die Kleine zu. Diese aber duckte sich nicht, und ihre Augen sahen die Pfarrfrau kalt an. Sie wußte, daß sie jetzt Schläge bekommen würde; aber sie war so von Haß erfüllt, daß sie keine Angst fühlte, sondern eher froh darüber war, daß es jetzt zum offenen Streit kam.
Aber nun geschah etwas, was sich die Kleine nie und nimmer hätte träumen lassen. Die Pfarrfrau gab ihr nicht einmal eine Ohrfeige, sie bezwang sich vielmehr im letzten Augenblick und versuchte zu lächeln.
»Liebes Kind, du siehst ja aus wie eine Katze, die auf einen Hund losfauchen will. Aber sei ganz ruhig, ich werde dich gewiß nicht schlagen, weil du gegen die, der du dienst, treu bist. Gerade das gefällt mir, und deshalb verspreche ich dir, Maja Lisa soll nicht ein einziges Wort von mir über das hören, was ich heute entdeckt habe. Und jetzt gehen wir miteinander in den Saal und denken nie wieder an diese Sache.«
Die Kleine fühlte sich ganz verwirrt. Hinter diesem allem lag etwas, was sie nicht verstand. Aber sie war nur zu froh, daß sie im Pfarrhaus bleiben durfte, und so gab sie sich keine weitere Mühe, das Rätsel zu lösen.