Nein, aber lügen und heucheln und krumme Wege gehen, das ist schädlich.«
Damit ging sie, und Frau Beata hatte noch nicht ein verständliches Wort zu ihrer Verteidigung herausbringen können, als die Tür auch schon hinter ihr ins Schloß fiel. Aber die Treppe, die die Pfarrfrau nun hinuntergehen mußte, war schmal und steil, und so kam sie nur langsam vorwärts. Indessen konnte sich Frau Beata aufraffen, und gerade, als die Pfarrfrau die unterste Stufe erreicht hatte, riß die alte Frau oben ihre Tür auf.
»Stiefmutter!« rief sie ihr nach, und zwar so laut, daß man es auf dem ganzen Hofe hörte. Eine Antwort wartete sie nicht ab, sondern ging rasch wieder hinein und schob den Riegel vor, damit sie nicht aufs neue überrascht würde.
Man konnte der Pfarrfrau nicht anmerken, ob sie sich etwas aus Frau Beatas Rede machte. Sie war noch immer in ausgezeichneter Laune, und während sie mit der Kleinen ins Wohnhaus zurückging, sagte sie ganz ruhig zu ihr, sie solle jetzt in den Saal gehen und ein wenig nähen, sie werde gleich selbst nachkommen, sie wolle nur vorher noch ein paar Worte mit Mamsell Maja Lisa sprechen.
Die Kleine kniff die Lippen zusammen und erwiderte nichts; aber ihr Gesicht hatte ungefähr denselben Ausdruck wie an dem Weihnachtsfeiertag, wo sie mit dem Sturm kämpfte.
Als sie in dem Flur angekommen waren, ging sie nicht
in den Saal, wie ihr befohlen war, sondern wendete sich der Küchentür zu.
Die Pfarrfrau fragte sofort, wohin sie wolle. Ob sie nicht gehört habe, daß sie in den Saal gehen und nähen solle?
Da antwortete die Kleine mit leiser Stimme, sie meine, das sei jetzt unnötig.
»Warum denn unnötig? Meinst du, du kannst jetzt schon ausgezeichnet nähen und brauchst nichts mehr zu lernen?«