Die Pfarrfrau hatte die Ärmste wirklich bedauert. Wie schrecklich, wenn man den ganzen Tag hindurch immer stillsitzen mußte und kein bißchen etwas tun konnte!
Aber als die Pfarrfrau an diesem Tag bei ihr eintrat, hatte Großmutter ein Laken in der Hand und stickte an einem Hohlsaum, und ihr Arm ging dabei so schnell auf und ab wie die Flügel einer Lerche.
Als aber Frau Beata die Pfarrfrau erblickte, machte sie eine Bewegung, wie wenn sie die Arbeit verstecken wollte. Aber als sie merkte, daß die andere sie schon gesehen hatte, nähte sie ruhig weiter.
Die Pfarrfrau trat zu ihr und sprach ihre große Freude darüber aus, Frau Beata am Nähtisch zu finden. Das sei doch sehr schön, daß die Gicht sich so gebessert habe und sie nun etwas arbeiten könne. Sie solle ihr doch zeigen, woran sie eben sei, denn sie habe gehört, Frau Beata
Spaak könne wunderschön nähen, und ihre Stiche lägen wie Perlen einer neben dem andern.
»Aber das ist sonderbar,« fuhr die Pfarrfrau fort, indem sie sich immer tiefer über Frau Beatas Arbeit beugte, »dieses Laken meine ich doch zu kennen. Es ist eines von dem Paar, das ich Maja Lisa für diesen Morgen zum Nähen gegeben habe. Vielleicht helft Ihr ihr bei dem einen. Ja, ich habe nichts dagegen, nein, nicht das geringste; aber ich meine, Ihr hättet es mir sagen sollen, damit ich Maja Lisa genügend mit Arbeit versehe. Denn wenn sie nur ein Laken vom Paar näht, so ist es ja die reine Faulenzerei.«
Frau Beata hielt die Arbeit noch in der Hand. Sie konnte nichts erwidern, denn ihr Unterkiefer und ihr ganzer Kopf zitterte, wie wenn jemand hinter ihr stünde und sie schüttelte.
Nun wendete sich die Pfarrfrau wieder der Tür zu, um zu gehen. Sie sehe ja, wie eilig es die Großmutter habe, deshalb wolle sie nicht länger stören. Frau Beata brauche jetzt gewiß auch nicht mehr so viel Gesellschaft, da sie wieder arbeiten könne.
Frau Beata stotterte etwas hervor, das wie »übermenschliche Arbeit für die Jugend« klang, und es könne »Leben und Gesundheit« kosten.
Aber die Pfarrfrau erwiderte: »Oh, Ihr wißt wohl, daß es Maja Lisa nicht schlimm geht, da sie noch imstand ist, die halbe Nacht aufzusitzen und zu lesen. Ich glaube auch nicht, daß Arbeit einem jungen Menschen schadet.