denn schon, ehe sie nach Lövdala gekommen sei, das Nähen versucht habe.
»Nein«, antwortete diese. »Ich habe noch nie einen Stich gemacht, ehe ich hierhergekommen bin.«
Ei so! Nun dann habe sie vielleicht hier jemand das Nähen gelehrt? Vielleicht Mamsell Maja Lisa?
Die Kleine erschrak, sobald die Pfarrfrau die Stieftochter nur erwähnte, und sie antwortete rasch, nein, aber die alte Frau Beata im Waschhaus drüben habe ihr Unterricht gegeben.
»Das zu hören freut mich sehr«, sagte da die Pfarrfrau. »Wie merkwürdig, daß Frau Beata mit ihren gichtischen Händen nähen kann!«
»Und ob sie nähen kann!« rief die Kleine. »Auf dem ganzen Hofe kann gewiß niemand so schön nähen wie Frau Beata.«
»Dann will ich dir sagen, was wir jetzt tun wollen«, sagte die Pfarrfrau. »Gleich jetzt gehen wir hinüber zu Frau Beata und bedanken uns bei ihr, daß sie dir einen so guten Unterricht gegeben hat.«
Damit nahm sie die Kleine mit sich; aber sie ging nicht den geraden Weg nach dem Waschhausflügel, sondern machte einen weiten Bogen um den Stall und die Scheunen herum. Frau Beata pflegte den ganzen Tag an einem Fenster zu sitzen, von wo sie alle Leute, die vom Wohnhaus zu ihr herüber kamen, sehen konnte, aber sie hatte keine Aussicht nach der Seite, wo die Wirtschaftsgebäude lagen.
Als die Pfarrfrau und die Kleine vor der schwierigen Treppe standen, die im Zickzack zum Giebel hinaufführte, sagte die Pfarrfrau, die Kleine solle vorausgehen. Wer jung sei, laufe rasch und leicht hinauf, sie würde dann nachkommen, so gut es eben gehe. Nun, die Kleine lief laut polternd die Treppe hinauf, und da konnte niemand merken, daß jemand hinter ihr herschlich.
Frau Beata saß immer mit den gefalteten Händen im Schoß da, wenn die Pfarrfrau zu ihr kam. Und immer sprach sie davon, wie schwer es ihr werde, daß sie nichts mehr nutz sei. Auch sie sei früher ein sehr tätiger Mensch gewesen, obgleich nicht ganz so tüchtig wie Anna Maria Raclitz.