In derselben Woche nun, wo so viel über Sjöskoga verhandelt wurde, ließ Mutter den Schmied Olaus kommen, der besonders geschickt in seinem Handwerk war, und bestellte ein neues Schloß bei ihm, das so kunstreich sein sollte, daß es jedem Dieb Widerstand leisten würde.

Und vier volle Tage hindurch stand Olaus in seiner Schmiede; aber dann hatte er auch ein so großes und hartes Schloß hergestellt, daß selbst Mutter den Schlüssel kaum umzudrehen vermochte.

Als dieses Schloß dann glücklich in der Tür des Vorratshauses saß, war die Mutter ganz glücklich. Sie schloß es am Abend selbst zu, nahm den Schlüssel mit in ihr Schlafzimmer und sagte, in dieser Nacht werde sie ruhiger schlafen als seit vielen Tagen.

Am nächsten Morgen, als Mutter erwachte, lag der große Schlüssel unberührt unter ihrem Kopfkissen; aber das hatte nicht verhindert, daß im Vorratshaus etwas höchst Absonderliches vorgefallen war.

Dort war zwar die Tür ebenso fest verschlossen wie am vorhergehenden Abend, aber nichtsdestoweniger waren alle beweglichen Gegenstände, die darin gewesen waren – Fleischbottiche und Bretter voll gebackenem Brot, Schinken und Würste, Maße und Gewichte, Kübel und Säcke –, hinausgetragen und auf den Stufen des Vorratshauses in Reih’ und Glied aufgestellt.

Wie gesagt, alles miteinander war herausgetragen, aber nichts gestohlen; und als man alles da vor der wohlverschlossenen Tür stehen sah, mußte man sich wohl verwundert fragen, wie denn das zugegangen war.

Die Mutter dachte natürlich sofort – und das dachten alle andern auch –, Vetter sei da am Werk gewesen. Aber als sie nachsah und nachzählte und fand, daß auch nicht ein einziges Stückchen Brot fehlte, konnte sie diesen Dieb einfach nicht begreifen.

Als Vater später seinen Morgenspaziergang machte, begegnete er indes dem Vetter, und da erhielt er die Erklärung.

»Vetter, Vetter!« sagte Vater. »Was hat Er da gemacht? Ist Er heute nacht in meinem Vorratshaus gewesen?«

Vetter sah ganz gekränkt aus, und er antwortete: »Der Herr Pfarrer kann die Frau Pfarrer von mir grüßen und sagen, ich stehle nie bei Herrschaften. Aber sie solle doch ja nicht meinen, weil sie so gute Schlösser habe, könnte ich mir das nicht holen, was ich haben möchte.«