Sie hatte am Webstuhl gesessen, als die Kleine zu ihr

gekommen war und ihr mitteilte, der Verwalter von Henriksberg sei nach Lövdala gekommen; aber sie hatte nur einen Augenblick im Weben innegehalten. Der Verwalter von Henriksberg – das klang ihr ganz fremd in den Ohren. Warum sollte sein Kommen etwas für sie zu bedeuten haben? Ja, wenn es im Winter gewesen wäre, da hätte sie alles mögliche von seiner Ankunft erwartet, aber jetzt ...

Um fünf Uhr klingelte der Pfarrer und befahl, ein Brett mit Butter und Brot und drei Gläser Milch in die gute Stube zu stellen.

Da er ausdrücklich drei Gläser gesagt hatte, merkte die Pfarrfrau, daß sie ihnen nicht dabei Gesellschaft leisten sollte; sie blieb also an ihrer Näharbeit im Saal sitzen und wartete, bis sie die Gäste in der guten Stube wußte. Da legte sie ihre Arbeit zusammen und ging in die Küche.

»Komm mit mir«, sagte sie zu der Kleinen. »Ich muß des Herrn Pfarrers Sonntagsanzug haben, daß er ausgebürstet wird, denn morgen ist ja Sonntag; bis jetzt habe ich nicht in sein Zimmer hineingehen können, aber nun sind sie im Wohnzimmer, und solange sie zu Abend essen, wollen wir einen Versuch machen.«

Sie gingen miteinander auf den Zehen durch den Flur, und die Pfarrfrau öffnete die Tür zum Studierzimmer so leise, daß es die drei in der guten Stube unmöglich hören konnten. Und ebenso vorsichtig öffnete sie auch die Tür des Kleiderschranks.

»Steig einmal hinein!« flüsterte sie der Kleinen zu. »Aber leise, ganz leise!«

Die Kleine stieg in den Schrank, und sofort machte die Pfarrfrau die Türe zu.

»Sie kommen, du mußt jetzt einstweilen drinbleiben!« flüsterte sie noch durch den Türspalt. Dann hörte die Kleine, wie sie davonschlich.

Die Kleine blieb natürlich unbeweglich stehen, obgleich es noch eine gute Weile dauerte, bis sie die andern wieder hereinkommen hörte.