Wenn aber die Pfarrfrau die Kleine in den Schrank sperrte, um zu erfahren, welches Anliegen die Fremden hergeführt hatte, dann hatte sie sich unnötige Mühe gegeben. Denn jetzt ließ der Pfarrer sie und Mamsell Maja Lisa ins Zimmer hereinrufen und überdies auch noch die alte Frau Beata aus dem Brauhausflügel herüberbitten.

Als sie eintraten, stand der Verwalter von Henriksberg mit über der Brust gekreuzten Armen da und lehnte sich gegen das Bücherregal, die Frau aber, die mit ihm gekommen war, saß auf dem kleinen Ecksofa. Sie war nicht wie ein Dienstbote gekleidet, hatte aber zu große und zu grobe Hände, um dem besseren Stand anzugehören. Doch war sie noch jung und wäre auch hübsch gewesen, wenn sie nicht so furchtbar verweint ausgesehen hätte.

Sooft eines von den Herbeigerufenen eintrat, stand der Pfarrer auf und stellte die Gäste vor.

»Dies hier«, sagte er, »ist die Frau Pfarrer Liljecrona, die Frau des Pfarrers von Finnerud. Und dies hier ist ihr Schwager, Hüttenverwalter Liljecrona von Henriksberg.«

Mehr wurde nicht gesagt, bis die Pfarrfrau und Frau Beata sich in den beiden großen Lehnstühlen niedergelassen hatten und die Pfarrerstochter sich auf eine Fußbank gesetzt, wo sie früher, solange sie noch beständig bei ihrem geliebten Herrn Vater drinnen war, immer gesessen hatte.

Alle fühlten, daß ein Gewitter im Anzug war; aber keines wußte, über wen es losbrechen würde, bis der Pfarrer sich jetzt direkt an Maja Lisa wendete.

»Du weißt wohl schon alles von der Frau Pastor Liljecrona, die hier sitzt?« sagte er.

Maja Lisa saß mit niedergeschlagenen Augen da. Sie wagte nicht ihren Vater anzusehen. Gleich als sie ins Zimmer trat, sah sie, daß ihm etwas Furchtbares widerfahren sein mußte.

»Jetzt ist das eingetroffen, was Vater den Todesstoß versetzt«, dachte sie; denn sein Gesicht war aschgrau, und er atmete schwer zwischen jedem Wort, das er sagte. Da erschrak Maja Lisa bis ins tiefste Herz hinein, und die Erschlaffung und Gleichgültigkeit waren mit einem Schlag verschwunden. Ihre Hände begannen zu zittern, und sie mußte sie fest zusammenpressen, daß sie nicht hörbar gegeneinander schlugen. Sie erwartete jeden Augenblick, Vater werde, vom Schlag getroffen, vor ihren Augen tot niederfallen.

Aber der Pfarrer verlangte eine Antwort, und endlich wurde sie so weit Herr ihrer selbst, daß sie mit ziemlich ruhiger Stimme sagen konnte: