»Nun sollst du mir noch erzählen, wie es zuging als du den Brief schriebst«, sagte er.

Und das Kind gab ihm so genaue Auskunft, daß ihm auch nicht der leiseste Zweifel mehr blieb.

»Ich sehe, ich habe dir unrecht getan, Nora Sausewind«, sagte er dann. »Zur Belohnung dafür darfst du jetzt zu Maja Lisa hinuntergehen und ihr alles erzählen.«

Das brauchte er der Kleinen nicht zweimal zu sagen. Im nächsten Augenblick schon war sie drüben in der Stube des Brauhauses, wo noch großer Jammer herrschte, und erzählte alles, was vorgefallen war. Die Pfarrerstochter hörte im Anfang kaum auf das, was sie sagte; aber schließlich begriff sie doch, daß der geliebte Vater jetzt die Wahrheit wußte, und da sprang sie auf und rief: »Großmutter, Großmutter! Ich muß jetzt gleich zum Herrn Vater hinüber und sehen, wie es ihm geht!«

Aber im selben Augenblick ging die Tür auf, und der geliebte Vater stand selbst auf der Schwelle.

Und es war nicht der Vater von gestern und heute, sondern vor ihr stand der Vater der vergangenen Jahre, ein guter, liebevoller, treuer Vater, der die Arme nach ihr ausbreitete!

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Der Ruhestein

Ein paar Tage nach der großen Entdeckung war Maja Lisa zur gewohnten Zeit draußen und ging mit der Kleinen auf der Landstraße spazieren.

Aber an diesem Abend wandelte sie nicht mutlos und schwach mit müden Schritten dahin, sondern jetzt waren es zwei, die das Echo hervorriefen, zwei, die in der Sandgrube nach Katzengold suchten, zwei, die den Bach eindämmten, und zwei, die auf der Weide Anemonen pflückten!