Sie hatte erst einen Schuh angezogen; aber sie dachte jetzt nicht an ihre Kleidung, sondern eilte hinauf in die westliche Stube.

Hier lag der Pfarrer auf dem Boden ausgestreckt und rührte sich nicht.

»Was ist Euch, Herr Vater, was ist Euch?« rief Maja Lisa, indem sie sich über ihn beugte.

Gleich darauf hob sie den Kopf wieder und sah die Kleine an, die ihr gefolgt war.

»Der Herr Vater ist tot«, sagte sie. »Komm, wir wollen ihm noch für alles danken; er ist uns vielleicht noch so nahe, daß er uns noch hören kann.«

Sie nahm seine Hand, küßte sie innig und zärtlich und flüsterte ihm ein paar Worte ins Ohr. Dann durfte ihm auch die Kleine noch die Hand küssen.

Alsdann stand die Pfarrerstochter auf und sah sich im Zimmer um, wie um zu erfahren, wie es zuletzt gewesen war. Der Vater hatte am Schreibtisch gesessen und geschrieben, in seinem Federkiel war die Tinte noch naß. Während er schrieb, hatte er sich wohl plötzlich unwohl gefühlt; da war er aufgestanden, um mit seiner Glocke zu läuten und Hilfe herbeizurufen, und da war er zu Boden gesunken.

Auf dem Tisch lag die halbfertige Predigt. Die letzten Zeilen liefen mit kritzeligen ungleichen Buchstaben schräg über die Seite herab. »Der Arbeiter, der sein Werk vollendet hat, sehnt sich nach Ruhe und freut sich, daß ein besserer an seine Stelle tritt.«

Da stürzten Maja Lisa die Tränen aus den Augen. »Jetzt verstehe ich, warum die beiden gerade für Vater tanzten. Sie wußten, daß er fort wollte. Sie wußten, daß er frei werden würde.«

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