Was er spielte, klang so traurig, so traurig! Maja Lisa liefen große Tränen die Wangen herab.
Aber allmählich veränderte sich sein Spiel. Jetzt war es nicht mehr ruhig und tröstend. Sie wußte zwar nicht, ob sie es richtig deuten konnte, aber es kam ihr auf einmal wild und erschreckend düster vor.
Sie verwunderte sich mehr und mehr. Das war kein Spiel, das für den Vater paßte! Der gute Vater war immer glücklich gewesen und hatte auch andere glücklich zu machen gesucht. Nie hatte er etwas von Kummer und Angst wissen wollen. Als er gefunden hatte, daß das Leben schwer und verworren wurde, war er dahingegangen. Ja gewiß würde sie um den geliebten Vater trauern und sich von ganzem Herzen nach ihm sehnen. Aber doch war die Erinnerung an ihn hell und licht.
Nein, jetzt konnte sie nicht mehr glauben, daß er da draußen sie mit seinem Spiel trösten wollte. Aus einem anderen Grunde führte er den Bogen. Eines andern Menschen Not und Verzweiflung klang aus den Saiten, die er rührte.
Ja, sie hatten recht, sie, die ihn einen Meister nannten! Sowenig ausgebildet Maja Lisa auch in der Musik war, sie verstand ihn, wie wenn er mit ihr redete.
Er klagte so jammervoll! Jemand war in den schwärzesten Abgrund versunken, jemand war in Ketten geschlagen, jemand brannte im verzehrendsten Feuer!
Und niemand, niemand konnte ihn ans Licht heraufbringen, niemand konnte ihm die Freiheit schenken, niemand die Glut löschen, die ihn marterte!
Maja Lisa wurde das Herz so schwer, so schwer! Es war wie zusammengepreßt, wie wenn es zermalmt werden
sollte. Wenn ein großer Sünder, der in der tiefsten Hölle schmachtet, eine Geige in die Hände bekäme, dann könnte er vielleicht in solchem Spiel seiner ganzen Qual Ausdruck verleihen.
Aber er da draußen, wessen Unglück drückte er in seinem Spiel aus? War es seine eigene Qual, oder war es die eines andern?