Maja Lisa erwartete, daß das Spiel sich wieder verändern, daß er auf etwas anderes übergehen werde. Aber das war eine eitle Hoffnung. Nichts anderes konnte er spielen als zunehmende Angst. Jetzt war es nicht mehr schön anzuhören, es klang schrill und gellend.
Sie konnte nicht länger ruhig zuhören. Ein furchtbares Unglück mußte ihn betroffen haben, es war nicht anders möglich. Sie mußte ein Fenster aufmachen und ihn fragen.
Als er sie sah, brach er mitten drin mit einem Ton ab, der ihr wilder in den Ohren gellte als irgendeiner vorher. Der Hut war ihm während des aufgeregten Spiels vom Kopf gefallen, und das Haar lag wirr auf seiner Stirn. Er war blaß wie ein Kranker, und alle seine Gesichtszüge waren von Schmerz verzerrt.
»Du hast gesagt, du möchtest mich spielen hören«, preßte er hervor. »Jetzt hast du deinen Willen, nun weißt du, wie es klingt.«
Ach, seine Stimme war so scharf und seine Worte so heftig, daß Maja Lisa glauben mußte, er sei über sie aufgebracht! Sie erschrak und wagte nicht, den Mund aufzumachen, um zu fragen, was ihm geschehen sei.
Da sagte er mit derselben Leidenschaft: »Du hast mich noch nie spielen hören. Du hast vielleicht nicht einmal gewußt, daß ich es war, der hier spielte.«
Da fiel ihr ein zu sagen: »Ich glaubte, es sei der Nöck.«
»Hast du ihn denn gehört?«
»Er soll ja spielen wie einer, der sich nach der Seligkeit sehnt und doch weiß, daß er sie niemals gewinnen kann.«
Bei diesen Worten trat er weiter vor. Er stand ihr jetzt so nahe, daß sie ihm gut die Haarlocke aus der Stirne hätte streichen können; sie wagte es aber nicht.