Sie begriff, sie begriff! Diese Geige war es, die Musik, die er auf ihr spielte, sie war für ihn das, was für sie selbst Lövdala war. Die Musik, sie war seine Heimat. Sie, sie konnte ihm Ruhe, Sicherheit und Erquickung bringen. Wenn er spielte, spannten die Töne ein Dach über seinem Haupte aus, das strahlender war als Apfelblüten und Sonnenschein. Dann trat er ein in seine wahre Heimat, sie, die während seiner ganzen einsamen Jugendzeit seine Zuflucht gewesen war.
In früheren Zeiten hatte er schwere Tage aushalten können, ohne zu erliegen, nur weil er seine Geige gehabt hatte. Da hatte er nur den Bogen in die Hand zu nehmen brauchen, um sich eine Welt zu erschließen, in der er sich glücklich fühlte. Jetzt aber hatte die Schwermut die Oberhand bekommen, weil er während der letzten Jahre nicht mehr hatte spielen können.
Ach, wie unglücklich würde sie sich fühlen, wenn sie nicht auf Lövdala bleiben dürfte! Wie verloren, wie einsam würde sie in der Fremde sein! Und so war es wohl auch bei ihm; er konnte sich da nicht zurechtfinden, wußte nicht mehr, wo er sich Ruhe und Erquickung holen sollte.
Und plötzlich fühlte sich Maja Lisa ihrer selbst ganz sicher. Nun kannte sie ja seine Krankheit, nun wußte sie auch, wie das Heilmittel hieß. Wenn sie nur diese, seine richtige Heimat wieder für ihn öffnen konnte, dann
wurde er wieder wie früher und konnte das überwinden, was ihn jetzt quälte.
Sie trat wieder ans Fenster, behielt aber die Geige in der Hand.
»Liebster,« sagte sie, »darf ich dich um eins bitten, ehe du gehst? Hier, nimm die Geige und spiele noch einmal. Es wäre ja möglich, daß es dir vorhin so schwer wurde, weil es das erstemal war, seit das Unglück geschehen ist. Aber ich kann nicht glauben, daß es immer so bleiben wird. Willst du nicht noch einen Versuch machen, damit ich dich doch schließlich einmal richtig geigen höre? Du wirst dich doch wohl überwinden und mir zuliebe spielen können? Vorhin hast du ja gesagt, du habest den ganzen Winter hindurch nicht an dieser Schwermut gelitten, weil du glaubtest, du seiest geheilt. Vielleicht ist es auch so; das Böse ist gewiß nicht tatsächlich zurückgekehrt, ich kann es nicht glauben. Du wirst sehen, wenn du es jetzt noch einmal wagst ...«
Er zuckte die Schultern. »Es ist unmöglich«, sagte er; »es wird nur siebenmal schlimmer.«
Aber sie bestand darauf, und sie bat:
»Du brauchst nie mehr etwas für mich zu tun, da wirst du mir doch diese eine Bitte nicht abschlagen, jetzt wo wir voneinander scheiden? Wenn du von mir gehst, ohne gespielt zu haben, wird es dich nachher reuen, daß du mir das letzte, um das ich dich gebeten hatte, versagt hast.«