»Wir werden das nächste Mal daran denken«, versetzte die Haushälterin grimmig.

Aber es kam zu keinem Wortwechsel, denn in diesem Augenblick erklang eine kleine Glocke aus den Zimmern heraus.

»Da klingelt der Herr Pfarrer zum Morgensegen«, sagte die Haushälterin; »wir müssen die Spinnräder bis nachher stehenlassen.«

Das Gesinde ging auf den Flur hinaus; aber die Kleine blieb wie angewurzelt stehen und rührte sich nicht. Ja, war es denn möglich? Die Spinnerin, die ganz dort hinten an der Tür saß und das gröbste Werg spann, die sollte die Pfarrerstochter sein! Das war ja ewig Sünde und Schande. Wenn das Mutter wüßte!

In einer langen Reihe verließ das Gesinde die Küche, und es ward leer in dem großen Raum. Da streckte die Pfarrerstochter, die ganz zuletzt hinausging, der Kleinen plötzlich die Hand hin und sagte:

»Du kommst doch auch mit zum Morgensegen, nicht wahr?«

Ach, wie freundlich war diese Stimme und wie fein und weich die Hand! Die Kleine legte die ihrige zuerst ganz schüchtern hinein; aber während die beiden dann so durch den Flur gingen, schlangen sich die Finger des kleinen Mädchens fester und fester um die Hand der Pfarrerstochter, und als sie unter der Tür von des Pfarrers Studierzimmer standen, beugte sich die Pfarrerstochter zu der Kleinen herunter und sagte:

»Wie ich höre, bist du die Tochter von meinem alten Kindermädchen, der Marit von Koltorp.«

»Ja,« antwortete die Kleine, »und ich bin gekommen, Euch zu helfen.«

Da lächelte die Pfarrerstochter. »O ja, ich brauche allerdings jemand, der mir hilft«, sagte sie.