Die neue Magd lächelte verächtlich. Es war doch merkwürdig, daß alte Leute keinen Widerspruch vertragen konnten. Was ihnen gerade zu sagen einfiel, das sollte man ihnen aufs Wort glauben.

Keines von den andern Mädchen sagte ein Wort, um der Haushälterin beizustehen, und es war jetzt ganz still in der Küche. Die Kleine jedoch hatte die größte Lust zu erzählen, was sie von diesem Svartsee wußte; aber sie war nicht sicher, ob es passend wäre, wenn sie sich in das Gespräch mischte.

Da ging die Türe der Küchenkammer auf, und Mamsell Maja Lisa trat in die Küche.

Zuerst sagte sie nichts, sondern betrachtete still die fleißigen Mägde. Dann ging sie zu der Kleinen hin, die die ganze Zeit am Fenster stehengeblieben war.

»Du, Nora,« begann sie, indem sie sich zugleich auf den hölzernen Stuhl am Fenster niederließ und die Hand der Kleinen zwischen ihre beiden nahm, »sag’ einmal, bist du weit herumgekommen, und hast du außer dem Lövsee auch noch andere Seen gesehen?«

Die Kleine wurde blutrot, weil die Pfarrerstochter sie anredete, und sie vermochte nur gerade so laut zu sprechen, daß man es in der Küche vernehmen konnte, als sie antwortete: O ja, sie habe schon sehr viele Seen gesehen, mehr als sie überhaupt zählen könne.

»Dann könntest du mir den Gefallen tun und an einen von ihnen denken«, sagte die Pfarrerstochter. »Du darfst denken, an welchen du willst, nur muß er lang und schmal sein und zwischen zwei langen bewaldeten Bergrücken liegen.«

Die Kleine drückte das Kinn auf die Brust und starrte auf den Boden. Aber bald sah sie wieder auf; jetzt hatte sie sich einen gedacht.

Die Pfarrerstochter warf ihr einen schelmischen Blick zu, aber ihre Stimme klang noch immer ungeheuer ernst.

»Siehst du ihn auch richtig vor dir?« fragte sie. »Siehst du, wie ein kleiner glänzender Bach von Norden herkommt und sich in den See hineinstürzt, und wie sich dieser weit drunten nach Süden verengert, bis schließlich nicht mehr davon übrigbleibt als ein anderer kleiner Fluß?«