Ja, ja, die Kleine sah es.
»Nun, wenn du so viel siehst, dann siehst du wohl auch, wie sich die Ufer mit großen Buchten und Einschnitten hinziehen«, fuhr die Pfarrerstochter fort. »Da und dort springen schmale, schöne Landzungen vor, wo Hängebirken stehen, die sich über das Wasser neigen. Und draußen im Wasser liegen kleine steinige Holme, die ganz mit Faulkirschenbäumen und Ebereschen bewachsen sind,
die im Frühjahr immer über und über im herrlichsten Blütenschmuck stehen, daß sie aussehen wie junge Bräute im Festgewand.«
Ja, ja, die Kleine sah alles, was die Pfarrerstochter von ihr verlangte.
Mamsell Maja Lisa warf einen Blick zum Fenster hinaus und über das lange Tal hin. Dann wendete sie sich wieder dem kleinen Mädchen zu und lächelte; aber ihre Stimme hatte einen besonderen Nachdruck, als sie wieder sprach, wie wenn die Kleine auf das, was sie jetzt sagte, ganz besonders aufpassen sollte.
»Wenn du das alles siehst, dann siehst du wohl auch, daß auf der einen Seite ein sandiges Ufer ist, wo sich viele Kinder tummeln, die den ganzen Sommer lang dort baden, und daß an einer andern Stelle eine hohe Felsenwand aufragt, auf der große dunkle Tannen wachsen mit mächtigen dicken Wurzeln, die wie Schlangen umeinander geschlungen sind. Und wieder an einer andern Stelle siehst du wohl auch ein Sumpfland, wo dichtes Erlengebüsch steht, durch das man kaum hindurchkommen kann, und wieder hinter diesem liegen die schönen ebenen Wiesen, wo das Vieh weidet.«
Und die Kleine war nicht ungeschickt, sie sah alles miteinander.
»Wenn du so viel siehst,« fuhr die Pfarrerstochter weiter fort, »dann siehst du wohl auch die großen Klippen am Uferrand, wo die Leute sich an den Sonntagen aufstellen und ihre Angeln auswerfen, um Barsche zu fangen. Und ebenso wirst du die kleinen Einbäume sehen,
die am Ufer angebunden liegen, und die kleinen Fischerhäuschen, die alt und grau und windschief draußen auf den Landspitzen stehen.«
»Ja, ja«, sagte die Kleine eifrig; sie sah alles und noch mehr dazu.