»Nun, wenn du so viel siehst, dann siehst du wohl auch, daß rings um den See her gleichsam ein ganzer Ring von Bauernhöfen mit Äckern und Wiesen liegt; aber sie liegen nicht so nahe am See wie die Fischerhütten, sondern ein gutes Stück weiter im Land drinnen. Und oberhalb der Bauernhöfe liegen Birkengehölze und abgeschwendetes Land; aber dann setzen Tannenwälder ein, und diese klettern an den Bergen hinauf bis zu den höchsten Gipfeln.«
Jawohl, auch das sah die Kleine.
Jetzt wurde die Pfarrerstochter auf einmal nachdenklich; dann aber fuhr sie fort:
»Nun kommt das Schwierigste. Siehst du, wenn nun eines Tages dieser See, an den du gedacht hast, austrocknen würde, daß sich auch nicht ein Tropfen klares Wasser mehr darin fände, wie würde es dann da aussehen, wo der See vorher war? Sag’, wie denkst du dir das?«
Darauf aber konnte die Kleine keine Antwort geben; sie sah nur die Pfarrerstochter starr an.
»Ja, ich weiß es selbst auch nicht so genau«, sagte diese. »Aber ich denke mir’s so: Nachdem ein paar Jahre vergangen waren, wuchs allmählich Gras auf dem Seegrund, und dann nahmen die Menschen sich seiner an; sie
bebauten und verteilten ihn, und er wurde von Zäunen und Wegen durchkreuzt wie anderes Land auch. Im übrigen aber blieb das meiste so ziemlich, wie es war.«
Die Kleine starrte gerade vor sich hin; sie sah gewiß ganz abwesend aus.
»Du bist gewiß schon in der guten Stube auf Helgesäter gewesen und hast dort den großen goldenen Spiegel gesehen, der zwischen den Fenstern hängt? Das Glas ist vor einigen Jahren in Stücke gegangen, und da der Hauptmann kein Geld hatte, ein neues Spiegelglas einsetzen zu lassen, hat er den Holzboden mit grünem Tuch überzogen, der goldene Rahmen aber blieb wie vorher. Der einzige Unterschied ist, daß jetzt kein Spiegel mehr darin ist.«
Die Kleine warf einen hastigen Blick auf die Pfarrerstochter; sie fing an zu verstehen.