»So war es wohl auch mit dem See, von dem wir gesprochen haben«, fuhr die Pfarrerstochter fort. »Alles, was am Strand war, blieb ja da, obgleich der Wasserspiegel, der in der Mitte lag, verschwunden war. Die Hängebirken blieben auf den Landzungen, obgleich nichts mehr da war, worin sie sich hätten spiegeln können, das sandige Ufer blieb liegen, wo es lag, obgleich niemand mehr hinkam, um in den Sommertagen da zu baden; und die Steinblöcke, auf denen die Angler ihre Plätze hatten, sind wohl auch noch da, obgleich niemand mehr darauf steht und Fische herauszieht. Die kleinen Ebereschenholme blieben auch, wo sie sind, obgleich umgepflügte Äcker um sie her liegen, und alle Höfe rings um den See herum
stehen auch noch auf dem alten Platz, obgleich die Jugend, die darin wohnt, an den schönen Sommerabenden nicht mehr aufs Wasser hinausrudern kann.«
Ja, auch darin konnte ihr die Kleine folgen.
Aber jetzt wendete sich die Pfarrerstochter rasch dem Fenster zu.
»Sieh nun hinaus, Nora, und ihr andern auch«, sagte sie, indem sie auf das Tal hinaus deutete. »Was meint ihr wohl, daß das sei, was ihr da unten seht?«
Und siehe! als die Kleine jetzt hinausschaute, sah sie mit einem Blick alles, was die Pfarrerstochter beschrieben hatte. Da lag der ebene Seegrund und rings um ihn herum der alte Uferrand, der sich in langen Buchten und Einschnitten hinein- und herauszog. Da waren die Landzungen mit ihren Birken sowie die kleinen Gehölze, die in früheren Jahren Holme gewesen waren, mitten zwischen den Äckern, und da ragte auf der einen Seite der steile Berg mit dem Tannenwalde auf und auf der andern die dichten Erlengebüsche. Auf halber Höhe des Berges sah die Kleine den ganzen Kreis der Bauernhäuser und den bewaldeten Bergrücken und die abgeschwendeten Plätze – kurz alles war da, nichts fehlte.
Die Mägde standen hinter der Kleinen und schauten auch hinaus, und auch sie sahen alles genau ebenso.
Wie sonderbar, daß sie vorher gar nicht acht darauf gegeben hatten!
Es war doch wohl wahr, daß der Svartsee da gelegen hatte. Das war der alte Seegrund, es war ganz deutlich.
»Jawohl, das ist in der Tat der alte Seegrund«, schloß die Pfarrerstochter. »Dies ist der Spiegel, der einstens hier unterhalb Lövdala lag, und der sein Glas verloren hat. Viele, viele denken, es sei sehr schade, daß das Glas nicht mehr da ist, und daß der Spiegel kein Spiegel mehr ist.«