Es dauerte indes eine gute Weile, bis der Pfarrer Marit von Koltorp aufsuchen konnte. Denn zuerst kam der lange Bengt daher und rief ihm zu, es sei ein Mann mit einem kranken Pferd da, der den Herrn Pfarrer fragen wolle, ob er nicht helfen könne.

Und nachdem er sich mit dem kranken Pferd beschäftigt hatte, kamen zwei Bauern, die in Erbstreitigkeiten miteinander lagen und verlangten, der Herr Pfarrer solle ihnen sagen, wieviel jeder von ihnen von Rechts wegen bekomme, damit sie die Sache nicht vors Gericht bringen müßten.

Es verging dann wenigstens eine Stunde, bis er die beiden endlich so weit gebracht hatte, daß er sie zum Friedensbecher einladen konnte.

Indessen saß die Kleine drüben im Stalle in einem dunklen Winkel und schwatzte mit ihrer Mutter. Jedes hatte sich auf einen Melkschemel gesetzt, und Bubi saß auf dem Schoß seiner Schwester. Er war glückselig über das Wiedersehen und wollte sie keinen Augenblick loslassen.

Mutter und Bubi waren bis heute bei dem Oheim auf dem Nyhof gewesen. Jetzt gingen sie wieder heim, hatten aber den längeren Weg über Lövdala genommen, um zu sehen, wie es der Kleinen ginge.

Die Kleine war gewiß noch nie so froh gewesen, als da sie ihre Mutter in die Küche hereinkommen sah. Sie kam gerade recht, um ihr in ihrem großen Kummer beizustehen.

Als sie im Stall angekommen waren, hatte die Mutter ihr zuerst erklären müssen, wie es sich denn mit dem neuen Märchen vom Schneewittchen verhalte, das die Kleine in zwei Nächten hintereinander mit angehört hatte, und sie fragte, ob es denn möglich sei, daß die Pfarrerstochter von sich selbst gesprochen habe.

Nachdem sie dann alles, so gut sie konnte, erzählt hatte, schwieg die Mutter zuerst eine gute Weile, schließlich sagte sie: »Sie trauten dir wohl nicht so viel Verstand zu, daß du verstehen würdest, was sie sagten. Wenn du es nun aber doch begriffen hast, mußt du deinen Verstand auch dadurch beweisen, daß du darüber schweigst.«

Aber dies war nicht alles, was die Kleine auf dem Herzen hatte.

Gestern vormittag war die Pfarrfrau zu ihr hergekommen. Sie hatte gar sanft und freundlich ausgesehen und sie gefragt, wie es ihr hier gefalle, und ob sie kein Heimweh habe.