Aber als es still im Hause geworden war, stand die Pfarrerstochter wieder auf, holte ein Talglicht herbei, das sie unten in der großen Kastenuhr verborgen hatte, schlich damit in die Küche hinaus, blies eine Kohle auf dem Herd an, um ihr Licht anzuzünden, und begann zu lesen. Die Pfarrerstochter hatte einen Bruder in Upsala, der ihr öfters Gedichte machte und sie ihr schickte, weil er wußte,
daß sie so etwas über alle Maßen liebte. Und diese Gedichte lernte sie bei Nacht auswendig.
Es war wohl etwas sehr Schönes, was sie eben las, denn sie hörte nicht, daß die Saaltüre aufgemacht wurde, und schaute nicht auf, bis die Pfarrfrau vor ihr stand, eine Hand ausstreckte und das Licht aus dem Leuchter nahm.
»Du willst uns wohl alle miteinander an den Bettelstab bringen,« grollte die Pfarrfrau, »daß du hier aufbleibst und die ganze Nacht Licht brennst. Woher hast du das Licht?«
»Es sind nicht deine Lichte«, antwortete die Pfarrerstochter.
»Ob sie mein sind oder nicht, so werde ich doch achtgeben, daß du nicht hier sitzst und uns alle an den Bettelstab bringst«, entgegnete die Stiefmutter. »Ich werde dich lehren, die Kerzen zu verschwenden, ja, das werde ich.«
Darauf ging die Pfarrfrau hinaus, kam aber gleich wieder mit einem Stück Leinwand zurück.
»Da du nun doch einmal bei Nacht aufsitzen willst, so sollst du wenigstens etwas Nützliches tun«, sagte sie. »So, hier der Hohlsaum an diesem Leintuch muß bis morgen früh fertig sein.«
Dann ging sie, und Mamsell Maja Lisa mußte die ganze Nacht an ihrer Arbeit sitzen.
Wer aber kein Auge zutat, das war die Kleine. Ach, sie war tief unglücklich, weil sie es gewesen war, die verraten