hatte, daß die Pfarrerstochter bei Nacht zu lesen pflegte.

Und deshalb war sie so froh, als ihre Mutter kam.

Ach, wenn nun die Pfarrerstochter erführe, was sie getan hatte! Etwas Schrecklicheres konnte sie sich gar nicht denken, und so flehte sie die Mutter an, sie doch mit nach Hause zu nehmen, sie wolle nicht im Pfarrhaus bleiben.

Die Mutter redete ihr zu, so gut sie konnte; aber die Kleine nahm keine Vernunft an und sagte nur immer wieder, es sei ihr einerlei, ob sie auch hungern und frieren müsse, wenn sie nur fortkomme, ehe die Pfarrerstochter böse auf sie geworden sei.

Aber die Mutter blieb fest dabei, sie müsse bleiben, wo sie sei. »Und ich sage dir, die Raclitza wird es auch nicht mehr lange so weitertreiben. Ich selbst werde mit dem Pfarrer reden, denn mich kennt er ja aus alter Zeit, und mir wird er wohl glauben.«

In diesem Augenblick deutete Bubi nach der Stalltüre. »Dort drüben steht jemand«, sagte er.

Mutter und die Kleine drehten sich zugleich um. Ja, dort im tiefen Schatten stand der Pfarrer, nur ein paar Schritte von ihnen entfernt. Er lehnte sich an die Wand und rührte sich nicht.

Beide erschraken über die Maßen, und keines wagte aufzustehen, ihn zu begrüßen. Wann mochte er gekommen sein, und wieviel mochte er gehört haben?

»Marit, bring mir deinen Melkschemel her«, sagte er mit schwacher Stimme.

Rasch eilte Marit mit dem niederen Stühlchen zu ihm hin, und er sank schwer darauf nieder.