Da wurde es ihr plötzlich sehr heiß, nachdem sie den ganzen Tag gefroren hatte. Erst als sie auf dem Sofa

saß, bekam sie Ruhe vor allen den Fragen nach Maja Lisa.

Zu ihrer Rechten und Linken saßen die beiden vornehmsten Bauernfrauen des Kirchspiels; aber beide verhielten sich mäuschenstill. Wenn man auf etwas so Feierliches wie eine Trauung wartet, ist es nicht passend, sich zu unterhalten, das wußten sie wohl.

Die Pfarrfrau fühlte, daß ihr zwei rote Flecke auf den Wangen brannten. War es nicht sonderbar? Alle hatten sich an sie gewendet, der Pfarrer aber war mit allen diesen Fragen verschont geblieben. Meinten denn diese Leute, er habe gar nichts mehr zu sagen?

Jetzt zeigte sich Ulla Moreus, die Frau des Küsters in der Tür. Sie trat näher, um die Pfarrfrau zu begrüßen. Na, nun kamen natürlich wieder dieselben Fragen aufs Tapet, Ulla gehörte ja zu Maja Lisas besten Freunden. Aber sie schien gar nicht an Maja Lisa zu denken, sondern sagte, sie und ihre Schwiegermutter hätten die Braut angekleidet. Jetzt seien sie fertig, und sie möchten wissen – – ja, es wäre ihnen eine Beruhigung, wenn Frau Raclitz ins Giebelzimmer kommen wollte, um zu sehen, ob der Brautstaat ganz in Ordnung sei.

Nun war der Pfarrfrau recht wohl bekannt, daß in ganz Värmland niemand besser wußte, wie eine Braut aus einem Bauernhofe gekleidet sein sollte, als Ulla Moreus und ihre Schwiegermutter. Aber die Aufforderung, auch noch ein Urteil abzugeben, war eine Artigkeit, die der Pfarrfrau erzeigt wurde.

Sie ging also mit in das Zimmer, wo die Braut fertig

angekleidet stand und nur noch auf den Hochzeitszug wartete, der sie abholen sollte. Hier dachte man nur an Schmucksachen und Blumen, und es war eine wahre Erleichterung für die Pfarrfrau, die Fragen, die hier an sie gestellt wurden, zu beantworten. Ob die goldene Kette richtig sitze? Ob sie der Braut noch mehr Perlenschnüre umhängen sollten? Und ob die hohe Brautkrone aus Pappe, derentwegen Ulla Moreus die ganze Nacht aufgeblieben war, um sie mit rotem und grünem Seidenzeug und Goldpapier zu überkleben, eine schöne Form habe? Sie habe bis zuletzt geglaubt, sie könnten die alte Krone noch benützen; aber dann sei ihr gestern ganz spät noch eingefallen, daß dies doch die größte Hochzeit sei, die in diesem Winter gefeiert werde, und so habe sie ein neues Gestell ausgeschnitten und überzogen.

Die Pfarrfrau lobte sowohl die Krone als auch alles übrige.

Aber die alte Mutter Moreus hatte einen bekümmerten Ausdruck, und nach einer Weile vertraute sie der Pfarrfrau an, was sie bedrückte.