Aber war es nicht zu dumm von Maja Lisa! Eines Morgens, als sie mit Vater und Mutter am Frühstückstisch saß, ließ sie ganz zufällig ein paar Worte über die Tante auf Svansskog fallen und sagte, man dürfe sie doch wohl nicht ganz vergessen.

Der Vater sah sofort von seinem Teller Grütze auf. Die Pfarrerstochter, die eine Bauernfrau geworden war, hatte ihm von jeher leid getan, und er war sehr darauf aus, sie immer wieder wissen zu lassen, daß sie in ihrer alten Heimat nicht vergessen war. Jetzt überlegte er, wann zum letztenmal jemand auf Svansskog gewesen war. Ja, es sei wohl schon eine gute Weile her, meinte er, und sie müßten eigentlich wieder hinfahren und einen Besuch dort machen.

Die Stiefmutter schwieg, weil sie von der Bauernfamilie nicht viel wußte, und so mußte Maja Lisa antworten, daß seit letzte Weihnachten niemand mehr auf Svansskog gewesen sei. Und sie wagte sogar hinzuzufügen, Tante würde sich gewiß am meisten freuen, wenn Vater und Mutter selbst hinkämen.

Aber so leichten Kaufs kam Maja Lisa nicht weg, das merkte sie bald: Vater lehnte sich in seinen Stuhl zurück und sah nicht sehr erfreut aus, und er dachte wohl, auch die Verwandtenliebe habe ihre Grenzen. Schließlich erklärte er, ihn habe die Tante oft genug gesehen, er brauche nicht nach Svansskog zu fahren, um sich zu zeigen. Aber die Mutter und Maja Lisa könnten noch am heutigen Tag hinfahren; es passe auch ganz ausgezeichnet, da sowohl der lange Bengt als der Rappe frei seien.

Da wurde der Besuch nun beim Kaffeetisch ausgemacht. Ach, Maja Lisa hätte sich am liebsten die Zunge ausgebissen! Warum hatte sie von Svansskog angefangen? Wie schrecklich, mit der Mutter zwei Stunden lang in ein und demselben Schlitten fahren zu müssen!

Aber nach dem Frühstück ging Mutter mit Vater ins Studierzimmer, und als sie wieder herauskam, war alles umgestoßen. Mutter sagte, es genüge vollständig, wenn Maja Lisa allein nach Svansskog gehe. Man könne ihr zwar wohl anmerken, daß sie keine große Lust dazu habe, aber es sei nützlich für die Jugend, wenn sie das tun müsse, was ihr zuwider sei. Auch könne sie nicht fahren, sondern müsse zu Fuß gehen, weil sie selbst heute den langen Bengt in der Küche beim Talghacken nicht entbehren könne; er werde aber am nächsten Tage kommen und Maja Lisa abholen.

Nicht mit einer Miene wagte die Pfarrerstochter zu zeigen, ob ihr diese Nachricht angenehm oder widerwärtig war. Aber in ihrem Herzen mußte sie sich sagen, wenn der Besuch auf Svansskog nun doch einmal nicht zu umgehen sei, sei es ihr immerhin noch lieber, wenn sie allein hingehen dürfe, anstatt mit der Mutter fahren zu müssen.

Da sie nun aber solange fortbleiben sollte, fragte sie, ob die Kleine dann nicht ab und zu bei Großmutter einsehen dürfe, um zu fragen, ob sie etwas brauche.

Aber die Stiefmutter konnte wohl nichts beistimmen, was Maja Lisa auch immer vorschlagen mochte. Sie befahl nun sofort, die Kleine solle mit nach Svansskog

gehen; Maja Lisa werde doch wohl nicht denken, sie wisse so wenig, was sich schicke, daß sie Maja Lisa den weiten Weg allein gehen lassen würde. Und sie brauche sich auch wegen der Großmutter durchaus nicht zu beunruhigen, es seien wirklich Frauenzimmer genug auf dem Hofe, die nach ihr sehen könnten.