Maja Lisa legte der Kleinen eiligst die Hand auf den Mund; aber das half nichts, denn die Kleine konnte es nicht ertragen, Mamsell Maja Lisa weinen zu sehen, und nun war sie in der richtigen desperaten Laune, gerade wie damals in dem Sturm.

Die Tante ließ sich nichts anmerken, ob sie über die Kleine ärgerlich wurde, aber sie sprach jetzt in breiterem Bauerndialekt als vorher, und was sie sagte, kam ängstlich und langsam heraus.

Womit sie wohl Maja Lisa helfen könnte? Maja Lisa gehe es doch wohl ausgezeichnet auf Lövdala, und sie brauche sicherlich keine Hilfe von einer armen Bauernfrau?

Etwas Besseres hätte sie nicht sagen können, um die Zunge der Kleinen recht in Gang zu bringen.

»Ihr seid gewiß aus demselben Holz geschnitten wie Mamsell Maja Lisas Stiefmutter«, sagte sie. »Im übrigen aber kann ich Euch etwas sagen; sie ist hierhergekommen, Euch zu bitten, ihr einen ...«

Aber da packte die Pfarrerstochter die Kleine so fest beim Arm, daß diese verstummte. Die Tante schien indes die Unterbrechung gar nicht zu bemerken, sondern fuhr fort:

»Ist es denn wirklich so schwer für Maja Lisa, daß sie eine Stiefmutter bekommen hat? Es heißt zwar, wer eine

Stiefmutter bekommt, bekommt auch einen Stiefvater, aber so ist es ihr doch sicher nicht gegangen. Sollte es irgend etwas geben, das sie sich wünschte und nicht bekäme? Das ist doch wohl unmöglich?«

Die Pfarrerstochter machte der Kleinen alle möglichen Zeichen; aber was half das, wenn die Tante sie auf diese Weise reizte?

»Oh, Ihr könntet recht wohl selbst sehen, wie es ihr geht,« fuhr die Kleine fort, »wenn Ihr nur die Augen aufmachen wolltet. Sie ist ja nicht besser angezogen als ich und ist nur noch Haut und Knochen. Es heißt freilich, Blut sei dicker als Wasser, aber das ist bei Euch wohl nicht so? Euch ist es einerlei, ob die Stiefmutter sie zu Tode plagt.«